Sonntagmorgen. II

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Sonntagmorgen. II

Sonntagmorgen. II

Madam Lasterhaft

Liz zog ihr weißes Strandkleid über und wartete gespannt ab. Sie saß perfekt dort mit vom Wind zerzaustem Haar. Hatte er sie bei ihrem intimen Moment beobachtet? Ein paar Strähnen lösten sich und wehten ihr ins Gesicht, umschlangen ihren schlanken Hals. Zarte, filigran gefertigte Halsketten hatten ebenso wie prachtvolle, schwere Colliers neidische Blicke auf ihren Hals und Dekolletee gezogen. Liz fühlte sich auf allen Bühnen des gesellschaftlichen Lebens wohl. In ihrem privaten Leben war sie meist mit kleinen In-Ear Kopfhörern ganz ohne Schmuck zu sehen.

Ihr freiliegender Hals ließ Schlüsse auf den Pulsschlag ihrer Halsschlagader zu, welcher kraftvoll schlug. Wohl verursacht durch die Erwartung auf diesen unbekannten Mann und der kürzlich empfangenen Woge der Lust. Sie war noch unentschlossen, ob sie sich in ihr schutzgebendes Haus zurückziehen oder aus Neugier heraus auf den Unbekannten zugehen sollte.

Sie begab sich ein Stück weiter landeinwärts zu einer Sanddüne, die vom Weg gut einsehbar war. Das Wasser bäumte sich bedrohlicher auf seitdem die Sonne hinter ein paar dunklen Wolken verschwunden war. Als sie durch den Sand ging, hinterließ sie kleine Sandhäufchen. Die Umrisse des Unbekannten ließen aufgrund der geringen Entfernung mehr Schlüsse auf die Person zu. Ein Mann in den Mittvierzigern war weiterhin in ihre Richtung unterwegs. Ihr sank das Herz bei jedem Schritt etwas mehr in das nicht existente Höschen.
Er hatte dunkelbraune, beinahe schwarze Haare von denen sich eine Strähne trotz gutem Styling leicht abtrennte und knapp über seinem Auge zur Ruhe kam. Seine Haut war von der Sonne bräunlich gefärbt. Ein schmaler Mund verlor seine anmutende Härte durch zwei Grübchen. Ein markantes Kinn und gut sichtbare Wangenknochen vervollständigten Lizs Eindruck. Die Statur seines durchtrainierten Körpers wurde durch ein geöffnetes weißes Hemd mit dazu passender Hose abgerundet. Seine Lederschuhe wurden an den Schnürsenkeln zusammengebunden in seiner Hand getragen. Er wirkte wie ein in sich versunkener Reisender ohne Ziel. Seine Miene war beinahe ausdruckslos bis auf ein leichtes Lächeln.

Bei Liz angekommen blickte er sie an. Liz sah in das metallische, stählerne Grau seiner Augen. Es wirkte als wäre in diesem Mann die Rauheit und Kühle des Meeres vereint. Liz war eine wortgewandte Frau. Für diesen Moment konnte sie sich nicht helfen und das Wort ergreifen. Nach einigen, schier endlosen Sekunden der Befangenheit ergriff ihr Gegenüber die Gelegenheit. Jeff stellte sich als Urlauber vor, der auf der Suche nach den schönsten Ecken der Gegend war. Er sagte: „Wenn Sie nichts dagegen haben, erzählen Sie mir von den sehenswertesten Orten hier.“ Liz erwiderte: „Sehr gerne“. Um einen klaren Gedanken zu fassen, richtete Sie ihre Aufmerksamkeit auf den fernen Horizont. Sie fand ihre Worte wieder und setzte sich mit Jeff an den Strand. Ein lebhafter Dialog entstand. Liz bemerkte, wie Jeff sie unauffällig studierte. Sie vergrub ihre Füße in den von der Sonne noch warmen Sand. Zugeben, dass sie fröstelte wollte sie nicht. Dazu unterhielten sie sich zu angeregt.

Seine Anwesenheit stillte ihren Hunger nach Aufmerksamkeit genauso wie das Bedürfnis nach zurückhaltender, taktvoller Gesellschaft. Liz konnte ihm nicht für längere Zeit in die Augen blicken. Zu übermächtig war das Grau seiner Augen, die dunklen Wimpern und Augenbrauen. Stunden vergingen wie Minuten. Als Liz die Kühle nicht mehr ertragen konnte fragte sie Jeff, ob er mit auf eine Tasse Kaffee zu ihr kommen möge. Er willigte mit einem Lächeln ein. Liz schritt mit aufrechtem Gang voran. Sie wollte ihre Unsicherheit überspielen und straffte ihre Schultern. Zügig schob sie den stählernen Griff der Glasfront der großen Terrassentür auf und zu. Rieb ihre Fußsohlen an ihren Händen um ein paar helle Sandkörnchen zwischen den Holzbalken der Terrasse in die Dunkelheit fallen zu sehen.

Es war zu kühl geworden um die gläserne Schiebetüre offen stehen zu lassen. Sie bat ihren Gast auf der großzügigen Sofalandschaft Platz zu nehmen und ging zu ihrer Küchenzeile. Dort wusch sie sich die Hände mit einem Stück Seife. Sie ließ das Stück in ihren kleinen Händen sanft hin und hergleiten, bis sich kleine Bläschen darauf bildeten. Mit lauwarmem Wasser spülte sie Sandreste von ihrer Hand und den Zwischenräumen ihrer Finger. Seitlich zu Jeff blickend, fragte sie nach was ihm war. Er erwiderte: „Überraschen sie mich mit einem Kaffee, wie sie ihn gerne trinken“. Liz setzte verwundert das Wasser des Kaffees auf und brachte die French Press und Kaffeetassen zum gläsernen Couchtisch. Um für mehr Wärme zu sorgen kniete sie sich vor dem Kamin nieder und ein Feuer an. Sie hatte eine vergilbte Schachtel mit uralten Streichhölzern gefunden. Sie schob sie auf, nahm eines von den uneben gearbeiteten Hölzchen heraus und strich über die bräunliche Phosphorschicht. Sie hatte wohl zuviel Druck ausgeübt, denn das erste Hölzchen knickte ein. Liz blickte in Jeffs Augen, er sah sie erwartungsvoll an. Sie ergriff das zweite Hölzchen und führte den roten Zündkopf des Hölzchens über die Reibungsfläche. „Gott, bitte befreie mich aus dieser peinlichen Situation“, dachte sie sich flehend. „Wussten Sie, dass in den Anfängen der Streichhölzer das darin enthaltene Tetraphosphortrisulfid und Kaliumchlorat der Hölzer miteinander reagierte und es so zu verheerenden Bränden mit tragischen Schicksalen kam?“, versuchte Jeff das Gespräch aufrecht zu erhalten. „Kann gut sein“, antwortete Liz flatterhaft. Sie war dabei, das nunmehr dritte Streichholz ruhig zu halten. Jeff erhob sich. Er war ihr ganz nah. Sie atmete seinen Duft ein. „Darf ich?“, fragte er in ruhigem Ton. Er ging in die Hocke. Sie überreichte ihm die kleine Schachtel. In dem Moment indem er diese entgegennahm, umfasste er ihre Hand mit beiden Händen. Beide blickten sich an. Liz fühlte sich angenehm gefangen von seinen Händen. Er entzündete das Streichholz und gab es in den vorbereiteten Fichtenreisig und die Holzspäne. Die Glut griff auf die kleinen Holzscheite über, die wie eine Pyramide zwischen dem Reisig und den Spänen angeordnet war. Liz öffnete die Sauerstoffzufuhr des Kamins. Das Feuer fraß den Sauerstoff gierig in sich hinein um größer und größer zu werden. Liz gab dickere Scheite hinzu, von denen einer krachend umkippte und ein Funkenmeer verursachte. Kleine Fünkchen stiegen im Kamin auf wie Glühwürmchen, die in der Dunkelheit des Abends tanzten. Beide entfernten sich rasch vom nunmehr lodernden Feuer, denn versengte Kleidung oder Haut wollte keiner von ihnen davontragen. Von der Couch aus ließen sie sich von der Lebendigkeit des Feuers faszinieren. Der äußere Teil einiger Scheite, die glimmende Rinde, löste sich durch die Hitze ab und rollte sich ein. Durch das ausgetretene Harz, knisterte es. Liz war erleichtert heute nicht nur in Gesellschaft des wärmenden Feuers zu sein. Insgeheim hoffte sie auf einen langen, wenn nicht gleich endlosen Abend zu zweit. Jeff drehte sich zu ihr und sah sie besonnen an. „Eine Sache müssen Sie mir verraten“, begann er das Gespräch. „Warum ist eine Frau mit ihren Qualitäten alleinstehend?“, fragte er. „Sie sind attraktiv, haben aus eigener Kraft dieses Haus instandgesetzt und sind intelligent“, konstatierte er. Dann herrschte Stille.

Ein kurzes Seufzen entfuhr Liz. Sie antwortete. „Weil mir bislang kein Mann begegnet ist, der mich berührt, mich auffängt und gleichzeitig respektiert. Es war besser allein zu sein, als in nächster Nähe einen Mann zu haben der mich bekämpft. Ich brauche niemanden um mich herum um mich anzulehnen, ich bin eine selbstständige, unabhängige Frau.“ Jeff blickte Liz an. „Sie brauchen einen starken Mann, der sie achtet.“ Jeff betrachtete die Füße von Liz, welche sich aneinander rieben. Er fragte „Ist Ihnen kalt?“. „Ja“ sagte Liz und blickte ihm ertappt in die Augen. „Legen Sie ihre Beine in meinen Schoß, ich werde sie wärmen.“ Dankbar ergriff Liz diese Chance. Jeff streichelte ihre Füße, Liz atmete entspannt aus. Er knetete jede Verspannung aus ihren zarten Fußsohlen, widmete sich den Zehen. Liz spürte wie ihre Blockaden brachen und innere Mauern sich auflösten im Nichts. Ihre Füße hatten sie ein Leben lang getragen und waren für sie mehr nützlich als alles andere. Das was jetzt gerade passierte, entzog sich ihrer Kontrolle. Innerlich hoffte sie er möge nie aufhören. Die Hitze kroch von ihren Füßen bis in ihre Haarspitzen. Sie musste alle ihre Kräfte sammeln um nicht ihre Knie auseinanderdriften zu lassen, denn dann hätte er ihre nackte Blöße gesehen. Aus selbigem Grund konnte sie sich nicht gänzlich fallen lassen. Sie stand auf und verschwand in ihrem Schlafzimmer. Dort angekommen kramte sie in ihrer Kommode ihr schönstes Höschen heraus und den dazu passenden BH. Beides in petrolfarbiger Spitze gehalten. Blau als Farbe ihrer Sehnsucht und der des Meeres erschien Liz passend für diesen Anlass.

Wieder unten angekommen, sah sie den Umriss von Jeff von hinten. Sie betrachtete ihn für einen Moment. Gedankenverhangen sah sie ihn an ihrer Seite. Ihre Seelen verbunden. Im Kopf und Herz vereint. War dies ihr wahrgewordener Traum? Sie schlich dann auf leisen Sohlen zu ihm. Sie war verwundert, dass er sie dennoch gehört hatte, denn er blickte sie seelenruhig an. Er neigte seinen Kopf und sagte „Kommen Sie, lassen Sie uns da weitermachen wo wir aufgehört haben.“ Halb aufrecht auf der Couch liegend sah sie ihn versonnen an und vergaß ihn zu Siezen. „Jeff, möchtest du hierbleiben?“, fragte sie. Er antwortete nicht, sondern näherte sich ihr an. Seine Fingerkuppen streiften sachte über ihr Schienbein bis zu ihren Knien und zurück. Oh möge er doch endlich höher wandern. Als er nach unzähligen immer intensiver werdenden Berührungen bei ihren Oberschenkeln angelangt war, nahm Liz seinen Hemdkragen und zog ihn zu sich. Sie küsste ihn leidenschaftlich und spürte wie dabei seine Finger die Hitze ihres heiß gewordenen Schoßes wahrnahmen und berührten. Es wirkte wie selbstverständlich was sie taten. Er durchbrach die Barriere ihrer Unterwäsche und schob diese beiseite. Das Jucken unter seinen Fingern konnte endlich gelindert und befriedigt werden indem er über ihre nackte Haut strich. Gleichzeitig küsste er sie mit vereinnahmender Leidenschaft. Ihr entfuhr ein Keuchen. Sie öffnete sein Hemd Knopf für Knopf. Nach dem zweiten Knopf entschied sie sich kurzen Prozess zu machen und riss sein Hemd auf. Die farblich vom weißen Hemd abgesetzten dunkelblauen Knöpfe fielen zu Boden wie verschüttete Linsen. Die Hürden der Sitte wurden mehr als überflüssig für beide. Sie verschlangen sich wie wildgewordene Tiere. Bestien der Gier.

- Fortsetzung folgt -

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