Späte Liebe in Zeiten von Corona

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Späte Liebe in Zeiten von Corona

Späte Liebe in Zeiten von Corona

Yupag Chinasky

In dieser Nacht liebten er und Maria sich, wie wenn sie wüssten, dass sie nicht mehr viel Zeit hätten, so lang, so intensiv, voller Zärtlichkeiten und voller Glück. Am Morgen nach dem Aufwachen spürte er eine leicht Übelkeit und ein leichter Husten setzte ein. An Corona dachten beide nicht.
Schon am frühen Morgen kam Carlos. Sie fuhren in einen Laden und kauften, was sie sich notiert hatten. Wasser war seltsamerweise nicht vorhanden und Carlos musste herum telefonieren, um zu erfahren, wo es noch welches gäbe.

Dann fuhren sie noch einmal bei der Bank vorbei, obwohl es ein gewisses Risiko war, die Bankangestellten hätten vielleicht die Polizei rufen können, weil sie ja die Aufforderung für die Quarantäne auch mitbekommen haben mussten, aber es ging gut und er hatte nun reichlich Geld und könnte sogar den Rückflug bar bezahlen, wenn es sein müsste. Am Donnerstag um die Mittagszeit waren sie in der kleinen Hütte am Playa caletones, die alles bot, was sie für ein paar Tage brauchten. Carlos nahm das Geld für die Miete entgegen, er würde es dem Hausbesitzer übergeben, und er bedankte sich herzlich für die Scheine, die er für seine eigene Mühe in die Hand gedrückt bekam, sie deckten deutlich mehr als nur die Unkosten ab. Dann verabschiedete er sich mit den Worten, er stehe jederzeit zur Verfügung, ein Anruf genüge. Nun war er wieder allein mit Maria und die schöne gemeinsame Zeit hätten sie noch eine ganze Weile fortsetzen können, ohne sich um den Rest der Welt zu scheren, wenn, ja wenn nicht der verdammte Virus gewesen wäre, der alle drei, auch Carlos, inzwischen heimgesucht hatte. Bei Maria und Carlos verlief die Erkrankung fast ohne sichtbare Symptome ab, weniger als eine leichte Grippe, aber sein Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag. Er müsse unbedingt ins Krankenhaus, drängte Maria, aber inzwischen war eine große Fatalität über ihn gekommen. Er lehnte ab, sagte er sei nur erschöpft und alles würde wieder gut werden und nein, Carlos solle nicht kommen. Am Sonntag, eine Woche nachdem er sich angesteckt hatte, starb er. Es war kein schöner Tod und auch Maria, die ratlos und verzweifelt bei ihm blieb, konnte ihn nicht trösten. Zum Glück hatte sich der Virus bei ihm nicht die Lunge ausgesucht, sodass er bis zuletzt genügend Luft bekam, sondern sein Herz, das schon angegriffen war und den Stress nicht mehr mitmachte. Und so starb er, zwar ohne groß leiden zu müssen, aber voller Verzweiflung, weil sein Glück, seine späte Liebe, nur so kurz gewesen war.

Diese Geschichte beruht auf wahren Elementen. Das Coronavirus hat die Welt im Jahr 2020 in den Würgegriff genommen. Der internationale Flugverkehr ist fast zum Erliegen gekommen. Die gesundheitlichen Auswirkungen dieses verdammten Virus waren sehr unterschiedlich, manche spürten kaum etwas, andere starben innerhalb weniger Tage und nicht nur wegen Lungenversagens. Die Orte sind real. Maria und Carlos sind real, wenn auch nicht ganz so, wie hier dargestellt. Der Protagonist und die Handlung der Geschichte sind zwar frei erfunden, es hätte aber so sein können.

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