Späte Liebe in Zeiten von Corona

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Späte Liebe in Zeiten von Corona

Späte Liebe in Zeiten von Corona

Yupag Chinasky

Die Lage war aber nicht so einfach, es gab immerhin einen Verletzten, den Kutscher, der, nachdem er das Pferd festgebunden hatte, am Straßenrand saß, ein blutgetränktes Taschentuch auf die Stirn presste und laut schimpfte und jammert. Carlos versuchte alles, um den Polizisten klarzumachen, dass sein Kunde rechtzeitig auf dem Flughafen sein müsste, aber die ließen sich nicht beirren oder gar erweichen. Er, der Fremde, müsse so lange hier bleiben, bis der Unfallhergang und die Schuldfrage geklärt sei. Der Kutscher habe Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld und er, der Chauffeur sei nicht berechtigt, einen Ausländer zu transportieren, sein Auto sei kein Taxi und deswegen müsse er bestraft werden und auch der Ausländer bekäme eine Strafe wegen dieser illegalen Fahrt, die er erst gar nicht hätte antreten dürfen.

Um das alles zu klären, müssten aber ihre Dienststellen eingeschaltet werden und das könne dauern, weil man am Sonntag nicht an die richtigen Leute käme und vielleicht müsse er, der Ausländer, sogar bis Montag warten. Die Aussicht war alles andere als rosig, die Verbindung zur Zentrale war gestört, die notwendigen Anrufe konnten einfach nicht getätigt werden und der Kutscher jammerte nach wie vor und presste sein Taschentuch auf die Wunde, die aber nun nicht mehr blutete. Carlos war nervös, Maria hilflos und er selbst hatte nur einen einzigen Gedanken im Kopf, würde er es zu seinem Flug noch schaffen. Doch dann fing Carlos an, auf die Polizisten einzureden und die Schadensaufnahme, die so kompliziert und langwierig schien, ging auf einmal ganz zügig vonstatten. Der Kutscher sagte, seine Platzwunde sei nicht schlimm und seinen Karren würde er wieder reparieren können. Die Polizisten sahen keine Notwendigkeit mehr, sich mit ihrer Dienststelle in Verbindung zu setzen und würden die Weiterfahrt ausnahmsweise gestatten, weil er ja so dringend zum Flughafen müsse.

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