Ich nickte, versuchte, den Satz beiläufig zu nehmen, aber es gelang mir nicht. Mir wurde heiß, meine Wangen brannten. Mein Herz klopfte schneller. Und da war noch etwas – Vorfreude. Einmal wieder aus meiner Welt ausbrechen, einmal noch das erleben, was meine Studienjahre geprägt hatte.
Während sie die letzten Handgriffe tat, um alles aufzuräumen, sah ich ihr zu. Die Bewegungen, wieder ruhig und präzise, wirkten nun wie ein kleines Theaterstück, das sie nur für mich aufführte. Als würde sie jede Geste bewusst setzen – das Bücken, das Strecken, das kurze Innehalten. Ich wusste nicht, ob sie mich ansah, aber ich sah sie.
Dann kam sie wieder. Kein Tablett mehr, kein dienstlicher Blick. Nur sie, mit dem Schlüsselbund in der Hand.
„Kommen Sie“, sagte sie leise, als hätte sie Angst, die Stille zu stören.
„Ich zeig’s Ihnen jetzt.“
Ich legte die Gabel ab und folgte ihr, erst hinter die Theke, dann durch einen schmalen Gang. Der Geruch veränderte sich – weniger Kaffee, mehr Zucker, dazu etwas Cremiges, Kühles. Die Temperatur sank ein wenig, die Luft wurde dichter. Wir näherten uns dem Lagerraum.
Sie öffnete die Tür und schaltete das Licht an. Regale voller Torten, sauber aufgereiht unter Glasglocken, perfekt präsentiert; Sahne, glänzende Oberflächen, dunkler Teig, helle Cremeschichten. Ein Raum wie aus einer anderen Welt, kühl und süß zugleich.
„Ja, wir haben viele Torten. Schließlich verkaufen wir die auch so, für Feiern. Oder an Hotels. Egal, wann ich hierherkomme, es stehen immer andere in den Regalen. Und egal, wann ich hierherkomme, eines ändert sich nicht. Hier“, sagte sie und sah mich über die Schulter an.
„Das ist mein Lieblingsplatz. Kein Lärm, keine Gäste – nur Ruhe und … Versuchung.“
Dabei blickte sie mir in die Augen und fuhr sich mit einem Finger über die Lippen.
Stammgastprivileg
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