Stammgastprivileg

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Stammgastprivileg

Stammgastprivileg

Leni Trattner

Ein kurzes Zögern, ein Blick – ein unausgesprochenes „Darf ich?“ – und ihr kaum merkliches Nicken, dieses kleine Einverständnis, das die Luft zwischen uns plötzlich noch schwerer machte.
Unter der Bluse war ihre Haut glatt und warm. Ich strich mit den Fingerspitzen über ihren Rücken, spürte, wie sie kurz einatmete, etwas schärfer als zuvor. Ihre Hände glitten unter mein Oberteil, suchten Haut, als hätten sie genau darauf den ganzen Abend gewartet. Das Neonlicht war unerbittlich, aber in diesem Moment war es uns gleichgültig. Es war fast obszön, wie klar dieser Raum alles zeigte – jede Bewegung, jede Geste, jede kleine Falte im Stoff.
Ihre Lippen lösten sich von meinen, nur um meinen Kiefer entlangzuwandern, meinen Hals, einen Punkt zu finden, an dem sie kurz verharrte. Ihr Atem war heiß auf meiner Haut, ihre Zunge ein kleiner, vorsichtiger Strich, der mir eine Gänsehaut jagte.
„Sie schmecken ein bisserl nach Kirsche“, murmelte sie an meinem Hals.
„Das wird wohl an der Torte liegen“, brachte ich hervor.
„Oder an Ihnen.“ Sie lachte leise, und ich spürte das Lachen gegen meine Haut.
Alles fand seinen Rhythmus, ruhig und doch drängend, sicher und gleichzeitig so neu, als hätten wir uns gerade erst erfunden. Ihre Hüfte suchte meine, fand sie und blieb dort. Und ihre Hand, die ging auf Wanderschaft. Ihre Finger waren zielstrebig, aber gleichzeitig zärtlich. Fast kitzelten sie, aber nur fast. Sie wussten, wie sie mich reizen konnten, obwohl ich noch meine Jeans trug. Wussten, wie stark sich mich berühren musste, damit mir jede ihrer Berührungen durch den ganzen Körper fuhr.
Und ich? Ich stand ihr in nichts nach. Fühlte mich jung, leicht. Ein ungezwungenes Knutschen, das zu mehr wurde. Etwas, das ich schon so lange nicht mehr gemacht hatte und das ich so sehr vermisst hatte.

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Gedichte auf den Leib geschrieben