Er sah Maximilian in die Augen und versicherte: "Wir bekommen sie schon wieder hin." Dann konzentrierte er sich auf die Operation. Maximilian sah zur Decke hoch. Charlotte streichelte ihm die Wange und hauchte: "Wie tapfer du doch bist!" In ihrem linken Auge lächelte eine kleine Träne. Sie fiel herab, durchschlug seine Brust und spülte aus Maximilians Herzen allen Groll heraus. "Es dauert nicht mehr lange. Ich bin gleich fertig", sagte der Arzt und nähte sorgfältig alles zusammen. "Aber denken sie daran. Ihre Wunde muß gut verheilen. Sie haben sich ja an einer äußerst sensiblen Stelle verletzt. Die nächsten drei Monate, das verspreche ich Ihnen, verbringen Sie freiwillig im Zölibat. Sie werden schon genug Schmerzen haben, wenn Sie auf "Drei Monate?" stöhnte Maximilian entnervt und Charlotte verschränkte ihre Augenbrauen kritisch ineinander, "Ja, Sie wollen doch keine Nachoperation riskieren!?" fuhr der Arzt fort und betrachtete zufrieden das Ergebnis seiner Arbeit. Maximilians Männlichkeit war kunstvoll zusammen geflickt und war nun wieder eine Masse - Wenn auch eine erheblich kleinere, als noch am Morgen, denn in ihr fehlte die Hälfte.
Der Herbst rüttelte an dem Brett auf Maximilians Rücken. Seine Hände krallten sich an einem kleinen Vorsprung fest und aus seinen Fingern wich entsetzt das Blut zurück. Keuchend zog er sich in die Höhe. Die nahe Bergspitze taumelte vor seinen Augen hin und her.
"Surfen!" preßte der vor kurzem Verlassene durch seine Lippen. "Pazifik!" Maximilian spuckte in die Tiefe. "Haie, oh wie gefährlich!" äffte er Charlotte nach. "Das ich nicht lache." Er verkeilte seinen rechten Fuß in einer Felsspalte und wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Surfen - eine Extremsportart."
Maximilian erklomm grimmig lachend die letzten Meter und stellte sich dabei vor, wie der Herr Doktor auf den Wellen reitend, Charlotte zuwinkte, die am Strand stehend, ihrem neuen Favoriten vergeblich zurief, daß er sein Messer vergessen hatte, derweil sich ihm eine Schwanzflosse von hinten näherte. Mit den Worten:
"Ach mach doch was du willst!" richtete sich Maximilian am Gipfel angekommen auf und schnallte das Surfbrett von seinem Rücken ab. Vergessen war Charlotte. Vergessen der Arzt. Vergessen war die wunden Stellen zwischen seinen Beinen und in seinem Herzen . Er hockte sich auf sein Surfbrett und glitt auf ihm in die Tiefe. Das wild umher treibende Nebelmeer kam immer näher und fing seinen Sturz ab. Sein Brett bremste weich auf einer Wolken ab, gefühlvoll von Maximilian gelenkt und er schwebte auf ihrer Oberfläche entlang. Geschickt nutzte er den Wind aus, der ihm das Haar in Brand setzte, surfte sie hoch bis zum Wellenkamm und ritt das Wolkenpferd solange im grellen Sonnenlicht, bis er an einem Berghang zerschellte, der unter einer grün phosphorizierenden Smogdecke versteckt, vor sich hin döste.
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