Steilwandliebe

3.

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Steilwandliebe

Steilwandliebe

Charles Haiku

Der Berg besaß die Form wahllos übereinander gestapelter Konservendosen und seine Farbe erinnerte Maximilian im vormittäglichen Licht dieses Sommertages an den speckig graublauen Wintermantel seines Großvaters und er staunte nicht schlecht, mit welcher Behendigkeit Charlotte die Nordtour an ihm empor kletterte. Für eine Anfängerin bemerkenswert. Er hatte mit Bedacht diesen Weg ausgewählt. Nichts Spektakuläres - trotzdem nicht ohne Risiko. Kein Touristenweg, aber doch bezwingbar. Sie lächelte und rief "Wann glaubst du, sind wir oben und genießen die Aussicht?"
"Mein Gott, wir haben gut über die Hälfte geschafft. Wenn du das Tempo beibehältst in zwei Stunden, aber der schwierige Teil kommt erst noch. Daher wir es doch länger dauern. Du wirst dich in Geduld üben müssen", antwortete Maximilian und suchte einen Halt für seinen Fuß. Sie lachte und kletterte weiter. Mit Sorge beobachtete er, daß Charlotte sich mehrere Meter über ihm befand.
"Es kommt nicht darauf an, daß du schnell ein paar Meter schaffst, sondern, daß der Weg dich auch bis an die Spitze führt", ermahnte er sie.
"Ja, ja", schallte es zurück. Maximilian schüttelte den Kopf und erinnerte sich, wie er Charlotte vor zwei Monaten kennengelernt hatte. Beschäftig mit der Auswahl seiner neuen Ausrüstung hatte ihn ein Mädchen angesprochen - Schwarze Haare, braune Augen. Eine doppelbödig-vibrierende Stimme, Charlotte eben. Ach, ja. Da war auch noch Henry, dieser bedauernswerte Junge, den sie in einem Rollstuhl vor sich her schob. Querschnittsgelähmt, die Zunge war am Gaumen fest genäht, die Kiefer verdrahtet und seinen Kopf zierte eine Stahlplatte.
"Es war ein Autounfall", hatte Charlotte erklärt. "Sie müssen wissen, er ist ... er war Ralley- Fahrer. Ich habe ihn begleitet. Ihm die Strecke angesagt, die Kurven und so weiter. Ein rasanter, ein schneller Sport. Man darf sich keine Unkonzentriertheit leisten und dann ging alles so schnell. Er hat den gesamten Aufprall abbekommen. Meine blauen Flecke sind schon verheilt." Ihre Frage, mit der sie ihn angesprochen hatte, konnte er ihr zwar nicht beantworten, aber seine Seile, Haken und Ösen interessierten sie sehr.
"Ist es nicht sehr gefährlich das Bergsteigen? Sind sie schon einmal abgestürzt?" wollte sie wissen und er hatte ihr das Angebot unterbreitet, ihre Fragen in aller Ruhe zu beantworten. Die Telefonnummern waren schnell ausgetauscht und schon am gleichen Wochenende war Charlotte von der Alpinistik begeistert. Auf seinen Vorschlag, zu zweit in die Berge zu Fahren, war sie allerdings nur zögerlich eingegangen. Es gelang ihm nur unter Mühen, Charlotte davon zu überzeugen, daß ihr Freund Henry in einem Sanatorium viel besser betreut würde. Er bewundere ihre Aufopferung für Henry sehr, erklärte Maximilian. Aber Henry brauche die professionelle Pflege ausgebildeter Fachkräfte. Das wäre effektiver und vollständig in seinem Sinne. Ihre Schuldgefühle nahmen erwartungsgemäß reziprok mit der Entfernung zu Henry ab. Sie blühte förmlich auf, seit sie gemeinsam die kleine Pension am Dorfrand bewohnten. Ihm wurde jetzt noch schummrig, dachte er an die letzten Nächte zurück. Eine Wolkenformation am Horizont begann seine Aufmerksamkeit zu erregen. "Verdammt", dachte Maximilian. Er klinkte den Karabiner seines Sicherungsseiles an einem Haken ein, der in der Wand steckte und zog sich zu einer schmalen Felsspalte hoch, um sich mit seiner rechten Hand dort fest zu verkeilen. Charlotte hing mehrere Meter genau über ihm. Mit links kramte er sein Handy hervor und wählte die Nummer der diensthabenden Wetterstation. Nach einigen Sekunden meldete sich eine Frauenstimme. Maximilian nannte seinen Namen und erkundigte sich:
"Entschuldigen Sie. Ich befinde mich mit meiner Freundin gerade im letzten Drittel am Nordhang. In südlicher Richtung sehe ich eine Wolkenwand. Können sie mir Genaueres erzählen?" "Es handelt sich um eine dichte Wolkenformation", anwortete eine kühle Frauenstimme, "und wird sie bei gleichbleibender Windgeschwindigkeit in Maximilian bedankte sich und legte auf. Er winkte mit dem Telefon Charlotte zu und rief: "Schluß. Aus. Wir müssen umkehren!" Sie rutschte in kleine Sprünge die Wand hinunter und baumelte bald neben Maximilian an ihrem Sicherungsseil. "Was ist los? Mit wem hast du telefoniert? Ist sie hübsch?" fragte Charlotte, als sie das Handy in seiner Hand sah. "Quatsch!" antwortete Maximilian und verstaute es. Da hinten ziehen Gewitterwolken auf. Wenn wir weiter steigen, stehen wir oben in einem "Wenn uns hier jemand sieht?" flehte er. Charlotte knabberte an seinem Ohr und flüsterte hinein. "Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!" Worauf sie in seinen rechten Unterarm biß und unglücklicherweise genau jenen Nerv traf, der diese kurzzeitige Entspannung in seiner Hand auslöste, die ausreichte, um aus der Felsspalte zu rutschen. Maximilian stürzte in die Tiefe und ein ruckartiger Schmerz zwischen seinen Beinen, riß ihn in die Bewußtlosigkeit.

Maximilian lag auf dem Operationstisch. Charlotte hielt fürsorglich seine Hand, während der Chirurg kritisch das Ausmaß der Katastrophe zwischen Maximilians Beinen betrachtete. "Mmmh!", sagte er, "eine recht ungewöhnliche Verletzung. Sie müssen ja höllische Schmerzen haben." Maximilan nickte nur, doch jammerte er nicht, denn er riß sich vor seiner Begleiterin zusammen und das war alles andere als einfach. "Ich werde sie erst einmal örtlich betäuben, das nimmt ihnen die Schmerzen und ich kann problemlos alles zusammennähen", fügte der Arzt hinzu. Charlotte drückte Maximilians Hand und flüsterte:
"Es wird schon alles wieder gut werden!" und zum Arzt gewandt, der gerade die Spritze mit einer bläulichen Flüssigkeit füllte, erklärte sie. "Maximilian stürzte beim Klettern ab, also beim Bergsteigen meine ich und ist dabei etwas unglücklich an einen alten, rostigen Haken hängen geblieben, bevor ihn das Sicherungsseil abfing." Der Arzt murmelte "Aha", beugte sich über Maximilian und suchte zwischen dem Ansatz der Oberschenkel nach einer geeigneten Stelle, um die Spritze anzusetzen. Charlotte zwinkerte nervös mit den Augen und seufzte leise auf, als die Nadel sich durch Maximilians Haut bohrte. "Sagen sie," fragte der Arzt und drückte die Flüssigkeit langsam durch die Kanüle, "wie kommt es eigentlich, ich meine sie brauchen es mir nicht zu sagen, falls sie es nicht wollen. Es geht mich ja auch nichts an, aber mich wundert es nur, daß sie sich zwischen den Beinen den Hoden zerfetzen und ihre Hose an dieser Stelle nicht im geringsten zerrissen ist!"
Charlotte ließ Maximilians Hand los, strich sich über ihr schwarzes Haar und betrachtete leicht verlegen den gekachelten Fußboden. Maximilian spürte, daß seinen Qualen nachzulassen begannen. Er hob den Kopf etwas an, doch Charlotte drückte ihn sanft wieder nieder. "Ich mußte mal", antwortete er, wobei er sich ein leises Stöhnen nun doch nicht verkneifen konnte. "Wie bitte", fragte der Arzt. "Na, er mußte halt mal", sprang das Mädchen geistesgegenwärtig ein "und so ein Berg läßt sich ja nicht in ein paar Minuten besteigen. Wir hatten schon fast den Gipfel erklommen, da sagte er zu mir, er könne es sich nicht mehr verkneifen."
"Ah ja. Ich verstehe. Bei dem heiklen Manöver, sich am Seil festzuhalten, sich die Hose aufzuknöpfen und bei den komplizierten Windverhältnissen dort oben weder gegen sich noch ihre Freundin zu urinieren, haben sie das Gleichgewicht verloren und sind abgestürzt. War es so?" Maximilian und Charlotte sahen sich erleichtert über die rasche Auffassungsgabe des Arztes an und nickten.Der Chirurg ordnete seine Instrumente und wartete auf das Einsetzen der örtlichen Betäubung.
Er drehte dabei leicht seinen Kopf zu Charlotte, musterte kurz den dominanten Bereich in ihrem zu knappen T-Shirt und sagte. "Wenn ich sie richtig verstanden habe, waren sie zu zweit Bergsteigen. Immerhin eine Extremsportart ...", Charlotte schnitt ihm empört das Wort ab, "Was soll das heißen? Ist Bergsteigen nichts für Frauen? Ihr Männer seid doch im Grunde alle gleich. Wenn sie es unbedingt wissen wollen. Ja ich liebe Sport und ich mag es extrem", und ihre braunen Augen tobten wie ein gereiztes Raubtier.
"Sie mißverstehen mich," entgegnete der Arzt besänftigend "nur finde ich Bergsteigen .... Wie soll ich sagen ... Waren sie noch nie surfen?" "Surfen? Sie surfen?" fragte Charlotte mit einem Unterton in der Stimme der halb aus Verwunderung und halb aus Neugier bestand, während sich Maximilians Stirn in Falten legte. "So oft es mir möglich ist", antwortete der Arzt, "Ich hoffe meine Leidenschaft ist Ihnen bei ihren Ansprüchen nicht zu gewöhnlich!?" Charlotte verdrehte spöttisch die Augen.
"Sie wollen mir doch nicht erklären, daß Surfen eine Extremsportart ist?"
"Nun ...", der Arzt nahm ein Skalpell in die Hand und reinigte sich beiläufig die Fingernägel " ... zwischen scharfen Korallenriffen auf 20 m hohen Wellen entlang zureiten, der Pazifik ist bei weitem kein stiller Ozean und sie dürfen die Haie..." "Die Haie?" Maximilians Freundin unterbrach erregt die abenteuerliche Schilderung des Arztes und ihr Puls beschleunigte sich bei der Vorstellung von regungslosen Augen in denen die kalte Lust am Morden eingraviert war.
"Sind sie ... Oh Gott!" Bestürzung zog in Charlottes Gesicht auf, wie eine plötzliche Schlechtwetterfront. "Ich meine, wurden sie schon mal... Wie haben sie sich gewehrt?" Sie preßte sich die Hand vor den Mund und verstummte. Maximilian klammerte sich am OP- Tisch fest und betete für die Auferstehung des Weißen Haies im Swimmingpool des Arzthauses, für das sofortige und weltweite Verbot des Hochseesurfens unter Androhung der Todesstrafe, sowie die Ächtung von Chirurgen mit sportlichen Ambitionen. Charlottes Anpannung war dagegen ganz auf den Arzt fixiert. Dieser zerteilte mit seinen Augen Meere von imaginären Wellen. Langsam begann er zu sprechen:
"Ja. Jaaa ..... es ist schon vorgekommen. Ein außergewöhnlich großes Tier. Die Art Bestie, welche man nur selten sieht. Ohne Zweifel. Ach ja.... Er bis sich in meinem Brett fest und schüttelte es hin und her, verstehn Sie. So wollte er mich aus dem Gleichgewicht bringen und ins Wasser zerren." "Und sie. Was, was taten sie", bohrte Charlotte weiter. Entschlossen stellte der Arzt seinen rechten Fuß auf einen Stuhl und krempelte langsam seine Hose hoch. "Sehen sie dieses Messer?" Fest an sein Bein geschnallt glänzte ein riesiger Dolch auf. Schwedenstahl. Rostfrei. Der Griff verziert mit Perlmutt. "Ich bin Chirurg", sagte der Arzt, zog das Messer aus dem Lederschaft und hielt es grimmig in die Höhe, "Wenn sie verstehen, was das bedeutet. Einen Körper fachgerecht zu zerteilen ist für mich Routine. Und dieses Messer ist scharf. Scharf wie ein Skalpell."
Der Arzt schniefte verwegen und schob das metallene Ungetüm wieder in seine Scheide zurück. Hypnotisiert verfolgte Charlotte, wie das Messer unter dem Hosenbein des Haibezwingers verschwand und schluckte etwas Aufgeregtheit hinunter. Maximilian hörte auf zu beten und begann zu fluchen. Er verwünschte die Sanitäter, die ihn hierher gefahren hatten. Den Berg, diesen Urlaub. Er verdammte den Tag, als er Charlotte kennen lernte, den Tag seiner Geburt und alle seine Vorfahren. Mit etwas Zellstoff reinigte der Arzt den Stuhl. "Seitdem", verkündete er dabei voller Stolz, "traut sich kein Hai mehr in die Nähe meiner Insel."
"Sie besitzen eine eigene Insel?" überrascht musterte Charlotte den Arzt, den sie kaum älter als fünfunddreißig Jahre schätzte. "Eine eigene Insel im Pazifik, mit Palmen, exotischen Vögeln, geheimnisvollen Grotten und einem eigenen Strand nur für sie? Wie romantisch!" Seine Augen verfärbten sich grau. "Was habe ich alleine von Romantik. Es ist sehr einsam dort. Meine Frau. Meine Ex- Frau...", korrigierte er sich, "...besaß nicht das geringste Interesse für die Natur dort. Sie haßte surfen. Das Doppelbrett, welches ich extra anfertigen ließ, um mit ihr gemeinsam über den Wellen dahin zu gleiten, verstaubt im Keller der Villa, die mein Urgroßvater einst im Kolonialstil dort erbauen ließ. Das Einzige, was sie an unserem Atoll mochte, waren die Perlen, die zwischen Korallen versteckt in Muscheln wachsen."
Der Arzt lächelte bitter. "Vielleicht hatte sie nur Angst! Die hohen Wellen, die Haie und es muß doch sicherlich auch sehr schwer sein, auf so einem schmalen Brett die Balance zu halten. Oder?...", wandte Charlotte ein und verlagerte ihr Körpergewicht auf das linkes Bein. Der rechte Zeigefinger des Mädchens wickelte sich in den Saum ihres knappen Rockes ein, der dadurch noch kürzer wurde. Der rechte Fuß berührte nur noch mit der Schuhspitze den glatt polierten Fußboden und der dazugehörige sonnengebräunte Unterschenkel drehte sich nach außen. Maximilians Lungen implodierten fassungslos.
"Aber nein, es ist ganz einfach, wie Tanzen." widersprach der Arzt, stellte sich hinter Charlotte und legte seine Hände auf ihre angenehm gerundete und doch sehr feste Hüfte, während es seinen Daumen vergönnt war, durch das T-Shirt ihre weiche Taille zu spüren. Er drückte ihre Hüfte nach rechts und wies mit dem Kopf zur Tür. "Achtung! Von dort kommt die Welle! Gegensteuern ... Ja so ist es gut. ... Vorsicht vor dem Wellenkamm ... und dabei leicht nach links ausbalancieren ... Hervorragend! Sie sind ein Naturtalent!"
Charlotte drehte ihren Kopf nach hinten und lächelte den Arzt an. Ihr Duft, der wie ein tief und leise geblasener Ton einer Oboe sein Gesicht umspielte, verdrängte den Desinfektionsmittel geschwängerten Alltag aus seiner Nase und sorgte für ein Ansteigen seiner Pulsfrequenz. Die Säure in Maximilians Magen dagegen verwandelte sich in Nitroglyzerin. Er fühlte sich kräftig genug aufzustehen, und am liebsten hätte er ... doch so halb nackt daliegend? Nein, es wäre nur lächerlich. Er holte tief Luft. "Herr Doktor", wandte er sich an den Arzt. "ich fühle keine Schmerzen mehr. Die Spritze scheint zu wirken!" Zufrieden sah Maximilian, wie der Chirurg sich von Charlotte löste und sich am Waschbecken die Hände reinigte. "So, dann wollen wir mal", sagte der Arzt, band sich den Mundschutz um und zog sich die OP- Handschuhe an. Er sah Maximilian in die Augen und versicherte: "Wir bekommen sie schon wieder hin." Dann konzentrierte er sich auf die Operation. Maximilian sah zur Decke hoch. Charlotte streichelte ihm die Wange und hauchte: "Wie tapfer du doch bist!" In ihrem linken Auge lächelte eine kleine Träne. Sie fiel herab, durchschlug seine Brust und spülte aus Maximilians Herzen allen Groll heraus. "Es dauert nicht mehr lange. Ich bin gleich fertig", sagte der Arzt und nähte sorgfältig alles zusammen. "Aber denken sie daran. Ihre Wunde muß gut verheilen. Sie haben sich ja an einer äußerst sensiblen Stelle verletzt. Die nächsten drei Monate, das verspreche ich Ihnen, verbringen Sie freiwillig im Zölibat. Sie werden schon genug Schmerzen haben, wenn Sie auf "Drei Monate?" stöhnte Maximilian entnervt und Charlotte verschränkte ihre Augenbrauen kritisch ineinander, "Ja, Sie wollen doch keine Nachoperation riskieren!?" fuhr der Arzt fort und betrachtete zufrieden das Ergebnis seiner Arbeit. Maximilians Männlichkeit war kunstvoll zusammen geflickt und war nun wieder eine Masse - Wenn auch eine erheblich kleinere, als noch am Morgen, denn in ihr fehlte die Hälfte.

Der Herbst rüttelte an dem Brett auf Maximilians Rücken. Seine Hände krallten sich an einem kleinen Vorsprung fest und aus seinen Fingern wich entsetzt das Blut zurück. Keuchend zog er sich in die Höhe. Die nahe Bergspitze taumelte vor seinen Augen hin und her.
"Surfen!" preßte der vor kurzem Verlassene durch seine Lippen. "Pazifik!" Maximilian spuckte in die Tiefe. "Haie, oh wie gefährlich!" äffte er Charlotte nach. "Das ich nicht lache." Er verkeilte seinen rechten Fuß in einer Felsspalte und wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Surfen - eine Extremsportart."
Maximilian erklomm grimmig lachend die letzten Meter und stellte sich dabei vor, wie der Herr Doktor auf den Wellen reitend, Charlotte zuwinkte, die am Strand stehend, ihrem neuen Favoriten vergeblich zurief, daß er sein Messer vergessen hatte, derweil sich ihm eine Schwanzflosse von hinten näherte. Mit den Worten:
"Ach mach doch was du willst!" richtete sich Maximilian am Gipfel angekommen auf und schnallte das Surfbrett von seinem Rücken ab. Vergessen war Charlotte. Vergessen der Arzt. Vergessen war die wunden Stellen zwischen seinen Beinen und in seinem Herzen . Er hockte sich auf sein Surfbrett und glitt auf ihm in die Tiefe. Das wild umher treibende Nebelmeer kam immer näher und fing seinen Sturz ab. Sein Brett bremste weich auf einer Wolken ab, gefühlvoll von Maximilian gelenkt und er schwebte auf ihrer Oberfläche entlang. Geschickt nutzte er den Wind aus, der ihm das Haar in Brand setzte, surfte sie hoch bis zum Wellenkamm und ritt das Wolkenpferd solange im grellen Sonnenlicht, bis er an einem Berghang zerschellte, der unter einer grün phosphorizierenden Smogdecke versteckt, vor sich hin döste.

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