Stochern?

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Stochern?

Stochern?

Marian Fanez

Stochern? - "Hm." - Nee. Das auch nich. Wie hört sich das an. Wie mit ‘nem Schürhaken in der Ofenklappe rummachen, immer in de Glut reinpieksen. Oder wie’n Mann mit ‘nem Spazierstock in ‘nen Maulwurfshügel. Hanno hatte so einen. Vom Großvater noch. Ich fand ja immer, das wär was für ältere Leute, aber er fuchtelte trotzdem ständich mit dem Ding rum. Hielt sich wohl für’n Ritter oder so. Un grinste immer so blöd. War wohl sowas wie’n Schwert für ihn, der olle Stock. Wer weiß, wen er damit schon aufgespießt hat, so zum Spaß natürlich. War’n Schelm, der Hanno. Jo, hab schon gelacht mit ihm. Wollt immer ne Locke von meinem HAUPTE! - Der Spinner. Das wär so schwarz wie Ebenholz, sachte er immer, der Dödl. Un viel gewandert isse mit seinem Stock, durch de Berge un de Täler. Auch im Schwarzwald isse gewesen.
Stochern? - Nee. Wo stochert ma denn schon drin rum? - In ‘nem Loch! Nem Erdloch vielleicht? Mit irgendwas drin? - Nee. Vielleicht krabbeln da Ameisen raus. Oder ne Schlange.
"Hm." - Stochern. Das würd ihm wohl nich gefallen. Hat so was mechanisches. Lui is doch keine Maschine. Un ich auch nich. Klingt wie’n Werkzeuch: n Bohrer oder’n Meisel. Irgendwas Spitzes. Die Gärtner, die stochern auch ständig. Mit ihren Hacken. Die stechen se ständig in de Wiese rein, um ihre Bäume zu verpflanz’n. Wie der Johannes, der war auch Gärtner. War ‘n Süßer. Weiche Schale, mit nem harten Kern. Un den hat er mir fleißig eingegrabn, aber mit Juchheidi, wie n tüchtiger Gärtner eben. Is auch was gewachsen draus. Ne lange Liebe. Vor allem lang war se. Un nu isse lang her.
Seh’n noch vor mir, wie er mich anlacht, Sommersprossen un Zahnlücke, de Hände ganz braun von Erde. Un dann hatt ich de Erde an meinen Brüsten. Auf da weißen Bluse. Joo.
"Hm." Wie hat Lui noch gesacht? Soll ihm doch auch mal was Flottes schreiben. Vielleicht ‘n Gedicht oder so. So’n bißchen was Aufregendes, oder besser: Aufrichtendes. Vastehst de? Hä?
Soll auch ruhig’n bißchen originell sein. - Jo, das sacht der so. Der is gut. Un was trauen soll ich mich. "Hm." - Aber schön soll ich schon auch schreiben. Un lustig.
Lustig!
"Hm!"
Brust - Fick?
"Tss..." - Ach, nee. Lustig un Brust-Fick: So richtig reimt sich das ja auch nich. Klingt irgendwie komisch. Un: Fick! - Fick is doch’n bißchen vulgär. Wenn der das lesen würde.
Nee.- Ich glaub, ich lass das mit dem Stochern. Schreib besser was Sanfteres. Stochern klingt so hart. Un manchmal is der Lui doch richtig so’n bißchen romantisch. Obwohl - wenn ich an seinen Brief denke: Ha - Lui, du Schwein! - Sau! - hi-hi -
Aber trotzdem: Stochern? Und: Ficken? - Na, ja. - "Hm" - Also, wenn der das lesen würde. - "Hm." Na, mal sehn.
So. Ne viertel Stunde hab ich jetzt drüber gebrütet, un das is bei raus gekommen:
Und leise sinkt herab die Nacht
Der Wind rauscht in den Wipfeln sacht
Ich wart’ auf dich, auf dich, auf dich
Umhüllt, gefüllt, mit schwarzer Nacht
Ein Traum, ein Schatten bei mir wacht
Und oben tun die Sterne blinkern
Ach, bitte stoß mich in den Hintern
Na, un? Is doch romantisch, oder? Hä? Vor allem der letzte Satz. Wemma sich das so vorstellt: Im Mondschein vielleicht? Unter Sternen?
Jo. Das is was für’n Lui. Un ganz ohne ficken un stochern. Obwohl - wenn ich mir so vorstelle, wie er mit seinem Stecken in meiner Muschie stochert, dann gefällt mir das eigentlich genauso gut als würd er mich bügeln oder nageln oder bürsten oder klöppeln oder pinseln oder so. Wär schon recht. Un statt fickn könnt er mich ja figgln. Wär doch auch nich übel. Klingt wollich. Würd ich auch quieken.
Aber das Gedicht is auch hübsch. Wird ihm sicher gefallen. Un wenn nich, wenn er mault?
Na, dann kann er mich mal.
Un dann isse wieder glücklich.

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Gedichte auf den Leib geschrieben