Streicheleinheiten

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Streicheleinheiten

Streicheleinheiten

Anita Isiris

Es war etwas zu klein; Stina ärgerte sich jedes Mal. Vor dem Wandspiegel rückte sie ihren Busen zurecht und knöpfte den Rock auf. Der Kühlschrank war verführerisch mit nicht ganz billigen Getränken gefüllt. Davon lebte das Hotel. In ihrem Bikini fühlte Stina sich fast nackt. Zuhause wäre diese Aufmachung kein Problem gewesen, hier jedoch galten andere Sitten. Ein Teil der Insel war ja von Angehörigen des Islams bevölkert. Islamische Männer hätten es nie zugelassen, dass ihre Frauen sich in der Öffentlichkeit im knappen Bikini zeigten. Tat man es als Europäerin, war man in ihren Augen ohnehin eine Nutte, die man am besten steinigte. Stina verbrachte bereits ihren vierten Urlaub hier – allerdings das erste Mal allein. Sie traute sich das zu, kannte sie doch die Infrastruktur und verstand sogar ein paar Brocken der Einheimischensprache. Hiruhito hatte ihr vorhin mit Blicken zu verstehen gegeben, dass er sich über ihre Ankunft freute. Stina wickelte sich ein buntes Tuch um die Hüften und machte sich auf den Weg zu „ihrem“ hinteren Pool. Wie sie die Abkühlung genoss! Anfänglich überzog Hühnerhaut ihren Körper, aber nicht wegen der Kälte, sondern in erregter Vorfreude. Sie schwamm drei Längen und stellte fest, dass sie die Anlage ganz für sich hatte. Der Anschlag in Kuta vom letzten Jahr trug wohl erste Früchte. Die Stadt war praktisch frei von Touristen; die Einheimischen blieben auf ihren gerösteten Maiskolben, den gefälschten Rolex-Uhren und den unzähligen bunten Stoffen sitzen. Stina legte sich wie eine Seehündin auf ein Steinbänkchen und liess sich von Wasser umspülen. „Selamat datang!“ „Willkommen.“ Wie aus dem Boden geschossen stand Hiruhito neben ihr im Pool. „Apa kabar?“ „Wie geht es Dir?“ entgegnete Stina. Der gut gebaute, hagere Japaner nahm sein Spiel auf, wie jedes Jahr. Stumm schöpfte er mit den Händen Wasser und liess es auf Stina niederperlen.

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Gedichte auf den Leib geschrieben