Die Fahrt über die Hochebene war lang und ermüdend. Was von Weitem, von dem Pass aus, wie eine ebene Fläche aussah, war in Wirklichkeit ein Gewirr kleiner, ausgetrockneter Täler, in denen die Straße wie in einem Labyrinth zu vielen Zielen führten, oftmals sogar blind endete und ihn immer wieder zur Umkehr zwangen. Er war viel länger unterwegs, als erwartet und die Sonne brannte viel heißer, als er es sich vorgestellt hatte, denn die flachen Täler boten keine Schatten und so fuhr er ständig im Licht und in der Hitze der gleißenden Sonne. Er hatte nicht daran gedacht, seine Wasservorräte bei der Abfahrt am frühen Morgen aufzufüllen, weil ihm die Entfernung von gerade Mal hundert Kilometern nicht besonders weit vorkam, aber das war die Luftlinie und auf dem Boden zeigte der Tacho seines Geländewagens schon viel, viel mehr an. Seine letzte Wasserflasche war leer und er brauchte dringend Nachschub. Laut Karte würde er demnächst ein Dorf erreichen, vielleicht auch nur eine Ansiedlung, hoffentlich mit Tankstelle, denn dann gab es meistens auch einen kleinen Laden, um sich neue Vorräte zu besorgen. Das Dorf, das dann tatsächlich vor ihm auftauchte, verdiente diese Bezeichnung kaum. Es bestand aus ein paar Häusern entlang der Hauptstraße und an den Nebenstraßen, die nach links und rechts abbogen. Das Zentrum war ein größerer Platz in der Ortsmitte, an dem sogar ein kleiner Laden war, eine Tankstelle hatte er dagegen nicht gesehen, dafür gab es aber einen Brunnen, jedenfalls ragte der Arm eines altertümlichen Ziehbrunnens in die Höhe. Erfreut hielt er an, aber der Laden war geschlossen und alles Klopfen half nichts, vermutlich machte der Inhaber gerade Siesta, wie anscheinend auch alle anderen Bewohner, die Straßen waren menschenleer und nicht einmal die Dorfköter trieben sich herum. Leise fluchend überquerte er den Platz und ging zu dem Brunnen, aber nur, um jetzt doppelt enttäuscht zu sein, der Brunnen war ganz offensichtlich trocken, ein Blick in die Tiefe zeigte nur rötlichen Staub auf dem Boden und etwas Müll. Weiter still vor sich hin fluchend machte er sich auf den Weg, um irgendwo etwas Trinkbares aufzutreiben. Hier lebten doch Menschen, die mussten doch irgendwo sein und um hier zu leben, mussten sie auch Wasser haben.
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