Sucht

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Claudia Carl


Sie nippt an ihrem Bier. Sie schaut auf die Uhr.
Sie nippt an ihrem Bier. Es schmeckt schal. Die Einsamkeit der Armut breitet sich um sie herum aus. Eine kleine Wohnung, in die gerade mal das Bett passt.
Ein Flur, in dessen Mitte ein Kleiderberg liegt anstelle einer Garderobe.
Seine spärlichen Haare und die dünnen Zehen. Schwer sackt die Enttäuschung auf sie herunter. Jede andere als die Realität eines Nichts ist verschlungen von der draussen liegenden Dunkelheit, von der Kleinlichkeit der stummen Materie um sie herum. Er erzählt von Spielen mit Tina. Sie fühlt sich aufgehen wie ein Hefeteig. Dann sagt sie es.
- Ich kann nicht mit dir. Du...bist zu unmännlich.
Schade. Schade. Er redet weiter. Von Tina. Von Anne, die ebenfalls anfangs dieser Meinung gewesen sei. Sie habe sie dann revidiert.
-Erzähl mir von Tina!
Sie plaudern wie Schulfreunde. Über Liebe und Beziehungen, Männer und Frauen.
Das Bier schmeckt bitter. Der Sitz unter ihr beginnt, sich zu erhitzen. Sein Lächeln von drüben auf dem Sessel bestäubt sie. Die alte Versuchung kommt in ihr hoch. Du kannst ja doch nicht...Du bist doch gar kein richtiger....Aber andere! Nicht Anwesende!
Das Licht, das er in der Küche angemacht hat, sticht ihr ins Herz.
Sie wird jede Minute gehen. Sie hat es bereits verkündet. Sie wird das Bier nicht austrinken. Vielleicht sehen wir uns ja mal, sagt er. Da sieht sie seinen Blick.
Er kneift die Augen zusammen, aus seinen Pupillen peitscht es. Eine Sekunde scheint er zu überlegen, ob er sie daran hindern soll, zu gehen. Sie entkleiden, fesseln und seine Sinne an ihr austoben. Es würgt sie.
Sie flüchtet in den Flur, küsst ihn im Mantel zum Abschied.
Der Blick bleibt an ihr hängen.
Am Sonntag, der leer ist, schickt sie eine SMS. "Vielleicht würde ich doch nochmal gerne kommen..."

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