Der Versuch, mit seiner linke Hand, trotz der in der Armbeuge steckenden Nadel, die Decke zu erkunden, scheiterte ebenfalls. Nur wenige Zentimeter konnte er sie bewegen. Dann spürte er auch an diesem Handgelenk die metallene Kälte eines Armreifs. Mit seinem rechten, nicht verschwollenem Auge, seinem klar erkennendem, wollte er sich überzeugen, dass er mit beiden Händen an das Bett gefesselt war. Ein rasender Schmerz der das heben seines Kopfes einleitend begleitete und von der Mitte seines Gesichtes ausging, machte ihm klar, dass dies nicht der passende Zeitpunkt war seine Neugier zu befriedigen.
>Er hat mein Nasenbein gebrochen< dachte er und weiter >Zuerst hat er mich zusammengeschlagen und dann mit ihr, Helga, - meiner Braut! - gevögelt. Und diesem Luder, dass mich so getäuscht hat, hat es vermutlich auch noch gefallen! Diese Nutte hat sich mit dem brutalen Kerl verabredet! Ja, die beiden hatten sich verabredet! Sie und der Mann mit der Motorsäge! Es muss der Mann mit der Motorsäge sein! Nach dem sie sich neben meinem bewusstlos geschlagenem Körper ihrer Lust hingegeben hatten, tat ich ihnen leid und sie brachten mich ins Krankenhaus. Offenbar fürchten sie jetzt meine Rache! Warum sonst wurde ich an dieses Bett gefesselt?<
Seine Gedanken wurden von drei Menschen, die eben das Zimmer betraten, unterbrochen. Zwei Männer, einer ganz in weiß gekleidet - ein Arzt? - der andere mit dunkler Hose und grauem Sakko, und eine Frau. Sie trug einen weißen Arbeitskittel, vorne vom Halsausschnitt bis zum Saum mit einer Reihe Druckknöpfen zusammengehalten. Bis zum Saum?
Er erkannte mit seinem rechten Auge, dem klarsichtigem Auge, dass die Druckknöpfe vom Saum bis zur Hälfte ihrer Oberschenkel offen waren.
>Mein Besucher< damit bezeichnete Ulrich in seinen Gedanken den Mann in Hose und Sakko, die Frau und der Mann in Weiß mussten Arzt und Krankenschwester sein, >hat euch wohl unterbrochen - beim vögeln!
Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 1
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