Einige Wochen davor, als Resultat von belauschten Gesprächen seiner Mitschüler, hatte Ulrich einen besonderen Vorteil der Lebensweise seiner Generation als seinem Sündenproblem sehr hilfreich zugute kommend entdeckt. Dieser Vorteil war die Benutzung von Taschentüchern aus Papier anstelle der in früheren Jahren üblichen aus Stoff.
Eins oder zwei übereinander gelegt konnten seinen abendlichen und/oder morgendlichen Sündenfluss problemlos aufnehmen. Ebenso problemlos war es ihm möglich, sich dieser feuchten Dinger beim morgendlichem Gang aufs WC zu entledigen. Dies geschah unbemerkt von seiner Mutter und ohne dass er auch nur einen Gedanken daran verschwendete, ob oder in welchem Masse mit diesen, seinen täglich in die städtische Kanalisation entsorgten Sünden, er zur weitern, vielleicht sogar schweren Belastung der Umwelt beitrug.
Er verbrauchte zum frei werden von seiner Sünde in dieser Nacht drei Papiertaschentücher und verbarg diese bis zum Morgen auch nicht wie üblich unter seinem Kopfpolster sondern schob sie unter sein Bett. Am Holzboden würden keine feuchten, sichtbaren Spuren bleiben. Spuren, die am Überzug des Polsters oder am Leintuch hinterlassen seiner Mutter beim vormittäglichen richten des Bettes auffallen und unvermeidbar zu unangenehmen Fragen an ihn führen würden.
Von nun an verbrachte Ulrich die Pausen im Klassenzimmer, sich auf die folgende Unterrichtsstunde vorbereitend. Dies führte zwar zu einer auch seinen Professoren auffallenden und während eines Elternsprechtages auch seiner Mutter als bedenklich dargestellten Isolierung seiner Person innerhalb der Klassengemeinschaft aber auch dazu, dass er mit Auszeichnung und Bester der Schule (!) maturierte.
Kaum aus der Schule entlassen und dazu befähigt von nun an zum finanziellen Unterhalt der Mutter-und-Sohn-Gemeinschaft beizutragen, entschied Ulrichs Mutter, er solle, ehe er ins Berufsleben einsteige, seine Pflicht als männlicher Staatsbürger erfüllen und den vorgeschrieben Dienst an der Allgemeinheit erfüllen.
Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 3
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Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 3
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