Kurt um Rat bitten, wie er, Ulrich, es das nächste Mal besser machen könne? Am Donnerstag, auf seiner Fahrt ins Büro, entschied Ulrich, Kurt nichts von dem Vorfall am Teich zu erzählen.
Die Wochen bis in den Spätherbst vergingen in der Ulrich gewohnten Normalität.
Die Wochenenden kümmerte er sich um seine Mutter, unternahm Ausflugsfahrten mit ihr, aß zusammen mit ihr dann in einem Gasthaus zu Mittag, war abends daheim, ging früh zu Bett. Onanierte seltener, kaum öfter als vier mal in der Woche, an den Wochenenden meist überhaupt nicht mehr. An den Wochentagen unternahm er seine abendlichen Spaziergänge, kategorisierte dabei die ihm begegnenden Frauen in mögliche und nicht in Frage kommende Bräute, ohne aber je eine anzusprechen, obschon einige versuchten ihn mit ihren Bewegungen, Blicken, durch ihre Bekleidung, zu verführen. Wenn dies geschah, befriedigte er sich in der Nacht selbst. Immer mehr Beweise fand, konstruierte er dafür, ein Auserwählter zu sein, mit der Aufgabe betraut sich und eine Frau aus dieser Welt der Sünde zu befreien. Kurt hat ihm eine Waffe genannt, an die er zuvor nie gedacht hätte.
Seine, Ulrichs!, Potenz!
Dreimal traf er mit Sonja zusammen. Er besuchte sie in der Bar, sie tranken ein Glas Sekt, gingen aufs Zimmer, tranken, zurück an der Bar, nochmals eins. Seine Ausgaben dafür hielten sich in Grenzen, verging doch von Ulrichs Eintritt in die Bar bis zu seinem Abschied von Sonja kaum mehr als eine Stunde.
Herbst und Winter dieses Jahres durchlebte Ulrich sehr ruhig. Immer weniger streifte er abends durch die Strassen der Stadt. Zog es seinen Streifzügen auch vor viele Stunden im Nichtraucherzimmer des Cafes in der Zeitungen zu lesen und achtete sehr wenig auf die anderen Gäste. Der Vorfall mit der Frau von der er sich eine Zeitung borgte, schien vergessen. Hin und wieder sah er sie noch, beachtete sie aber nicht. Oder er blieb daheim, saß mit seiner Mutter so lange vor dem Fernsehapparat, bis sie ihn zu Bett schickte. Erst der folgende Mai sah Ulrich wieder auf Freiersfüßen. Es war an dem ersten Freitag dieses Monats als Ulrich wieder einmal glaubte, eine Frau gefunden zu haben, die seinen Vorstellungen und Wünschen entsprach. Eine Frau die ihm Kraft geben würde seine sündigen Gedanken zu überwinden.
Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 6
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