Sein Ziel aber, so erklärte er dem Arzt, war es gewesen, eine Frau aus ihrem sündhaften Leben zu befreien, ihr ein treuer Begleiter und Führer in einem dann gottgefälligen Leben zu sein. In einem Leben als Mann und Frau, verbunden, gebunden durch einen gemeinsamen Schwur vor Gott.
Auch am Ableben der vier Frauen träfe ihn keine Schuld, versuchte Ulrich seinen Richter zu überzeugen. Diese Frauen hätten ihn ignoriert und deshalb hatte er sich von ihnen getrennt. Wieso hat keine dieser Frauen, so frug
Ulrich, nicht seine Naivität erkannt? Dahinter seine ernsten Absichten? Warum hat nicht die Frau im Cafe, die Frau von deren Tisch er sich eine Zeitung holte, warum hat sie nicht einfach aufgeblickt und gefragt: "Willst du bumsen?". So klar sich zu ihren Wünschen bekannt als Sonja es tat, damals am Faschingsdienstag in der Bar?
Wer am Tot der Frauen schuld sei, könne er, Ulrich, nicht wissen. Als er die Beziehung abbrach, alleine zurück zu seinem Wagen ging, hatte er sich nicht mehr umgewandt.
Schuldig fühlte sich Ulrich nur den kleinen Rucksack aus dunkelrotem Kunststoff, den Rucksack den Sabina in seinem Auto vergessen hatte, in eine Abfalltonne geworfen zu haben anstatt diesen ihr zurückzugeben. Schuldig auch, die Reisetasche in einem Sammelcontainer für Altkleider deponiert zu haben. Richtig wäre es gewesen dies am Fundamt zu tun.
Ja, gestand Ulrich, das waren unrichtige Handlungen und dafür gehöre er bestraft.
Der Richter war aber doch ein gnädiger. Er verschonte Ulrich davor, all die Jahre bis zu dem Augenblick wenn Ulrichs Pochen an die Himmelstüre vernommen worden war und er eintreten durfte mit wenigen Männern in einem engen Raum verbringen zu müssen. Mit Männern die Ulrichs Schlaf unruhig machen könnten, seine Nächte schmerzerfüllt.
Davor bewahrte der Richter Ulrich.
Ulrich verbrachte den Rest seiner Zeit auf dieser sündigen Erde in einem hellen Raum in einem, einem Hotel nicht unähnlichem, Gebäude. Wie frei das dort beschäftigte Personal seiner Sexualität Ausdruck gibt und diese lebt, glaubte Ulrich aus Zeitschriften erfahren zu haben.
Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 7
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Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 7
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