Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 7

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Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 7

Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 7

Michael Müller

Zuerst vögeln und dann ignorieren, ist es das? Ja?"
Er stand auf.
"Du bist nicht besser als all die anderen - Nutten! Ja, du bist auch so eine - Nutte! Ich werde jetzt fahren. Sieh zu wie du weiter kommst! Du Nutte!"
Er ging zum Auto fuhr die Forststrasse weiter. Als er an der Stelle vorbeikam an der er Ulli auf die kleine Lichtung getragen hatte, hielt er an und stieg aus. Über das Wagendach schrie er ihr zu: "Ja das bist du, eine
Nutte!" dann stieg er ein fuhr weiter. In den Rückspiegel blickend sah er einen leicht angeschwollenen roten Fleck auf seiner Stirn. Einen Fleck der langsam dunkler wurde, sich blau verfärbte.
Zu Hause sagte er seiner Mutter, er wäre gestürzt. Auch den Kollegen im Büro sagte er es.
Als Ulrich am ersten Samstag im Juni mit seiner Mutter aus dem Supermarkt kam, am Monatsbeginn erledigten sie gemeinsam den monatlichen Grosseinkauf, und das Gekaufte im Kofferraum seines Autos verstauen wollte, lag in diesem eine Reisetasche.
Langsam stieg die Erinnerung an eine Autostopperin in Ulrich hoch. Anfang zwanzig war sie gewesen, ihr Name? Der fiel ihm nicht ein. Jedenfalls haben sie und er im Wald gevögelt, sie wollte aber dann nicht mehr mit ihm weiter fahren.
Er schob die Tasche zur Seite und verstaute die vollen Plastiksäcke aus dem Supermarkt. Auf der Heimfahrt hielt er an einem Sammelcontainer für Altkleider an und entsorgte darin diese Tasche.
Mitte September wurde seine Mutter krank, erholte sich kaum mehr, blieb kränklich. Ulrich pflegte sie aufopferungsvoll, unternahm keine abendlichen Spaziergänge, stellte seine Sonja-Besuche ein. Vier Monate vor seinem einundvierzigsten Geburtstag wurde seine Mutter in einem Pflegeheim aufgenommen. Ulrich besuchte sie täglich, saß an ihrem Bett, las ihr vor oder hielt ihre Hand wenn sie schlief. In die Wohnung kam er nur um zu schlafen, zu duschen, hin und wieder kochte er sich ein Essen.

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Gedichte auf den Leib geschrieben