Beim durchschreiten des Friedhoftores fiel ihm ein vergessen zu haben eine handverlesene Gruppe der Trauergäste zu dem, Begräbnisfeierlichkeiten üblicherweise abschließenden, gemeinsamen Einnehmen von Speis und Trank - vulgo: Leichenschmaus - eingeladen zu haben.
Auf seinem Nachhauseweg kaufte Ulrich erstmals eine jener Zeitschriften die schwerpunktmäßig in wenigen Worten, vielen bunten Detailbildern und unter Anderem darüber informieren, wie frei Sexualität auf Personalebene in Spitälern Ausdruck findet und gelebt wird. Drei Tage vor seinem einundvierzigsten Geburtstag rief Ulrich in der Konditorei an in der auch seine Mutter immer angerufen hatte um seine Geburtstagstorte zu bestellen.
"So wie immer?" frug eine männliche Stimme am anderen Ende der Leitung.
"Ja, so wie immer," antwortete Ulrich.
Als er aber dann die Torte an seinem Geburtstag aus der Schachtel nahm erkannte er, dass seine Bestellung etwas voreilig, vielleicht auch unbedacht erfolgt war. In den kommenden Jahren hatte ein Veränderung, wenn auch eine nur geringe, zu erfolgen.
Es war nicht die Torte die einer Veränderung bedurfte. Die Torte war gut, so wie immer.
Es war die mit weißer Zuckerglasur gemachte Aufschrift die verändert werden musste. Die Aufschrift, die da lautete: /Die besten Wünsche zum Geburtstag, von Deiner Mutter/.
Der Herausnahme der Torte aus der diese schützenden Schachtel ging am späten Nachmittag des Vortages, ca. 17:00 Uhr, deren Abholung aus der Konditorei mit angeschlossenem Kaffeehaus voraus. Übereicht wurde das Konditorerzeugnis bereits durch schützendem Karton den Blicken Ulrichs verborgen mit einem freundlichen Lächeln und Nennung des Wertes der Ware an ihn von einer Dame Mitte dreißig, leicht mollig und beginnendem Doppelkinn, bekleidet mit einer hellgrün und weiß längsgestreiften Kleiderschürze an deren Vorderseite auf der Höhe des Ansatzes ihrer vollen, weitausladenden, linken Brust ein schmaler, vielleicht fünf Zentimeter langer Streifen eines weißen Bandes aufgenäht war und die mit Textilstift angebrachte Aufschrift /Frau Helga/ trug.
Sünde - Der Versuch einer Befreiung - Teil 7
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