Auch Sophie saß ähnlich unbequem wie ihre Mutter. Fürst Oleg hatte ihr ja auch den Popo versohlt, allerdings nur mit der flachen Hand. Katja erging es schlimmer, da der widerliche Kerl bei ihr seine Klopfpeitsche benutzte. Beiden Damen bereitete die Flucht großes Unbehagen, das von dem gleichen rückwärtigen Feuer gespeist wurde. Nach einem knapp zweistündigen Ritt kamen sie endlich ans Ziel.
Es war ein sehr kleines Dorf, das am Rande der Tundra lag. Igor kannte es gut, da hier einige seiner Verwandten lebten. Mit staksigen Beinen stiegen die Frauen aus dem Sattel. Der Bojar sah seine Katharina mitleidig an, als sie die schmerzenden Stellen mit beiden Händen rieb. Sophie verkniff sich dies, wenn es sie auch einiges an Willenskraft kostete. Igor leinte die Pferde an einen Holzzaun an.
Ein alter Mann kam aus einer der Hütten, begrüßte Igor herzlich, indem er ihn umarmte.
„Igor, mein Freund! Sag, was treibt dich zu uns, und wer sind die vornehmen Leute?“
„Pjotr, ich freue mich auch sehr! Das ist Bojar Kasimir und Katharina, seine Gemahlin.“
Dann nahm er Sophie in den Arm, was der Bojar argwöhnisch beäugte. Katja aber lächelte.
„Dies ist Sophie, die Tochter des Bojaren! Ich hoffe, dass sie einmal meine Braut sein wird.“
Sophie errötete, als er es sagte. Sie schmiegte sich an ihn, so nah sie nur konnte. Der alte Mann gab ihr die Hand, dann Katharina und zum Schluss dem Bojaren. Igor erzählte Pjotr, was geschehen war.
Als der Dorfälteste hörte, dass der Bojar für die Bauern kämpfte und deshalb verhaftet wurde, bot er sogleich seine Hilfe an. Das Dorf lag sehr abgelegen, fand sich auf kaum einer Landkarte des Zarenreichs. Für einige Tage sollten die Flüchtigen hier sicher aufgehoben sein. Pjotr überließ ihnen eine leer stehende Holzhütte. Das Innere war geräumiger, als es der äußere Anblick versprach. Es gab einen großen Raum mit einer Kochstelle, sowie zwei kleinere, die zum Schlafen gedacht waren.
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