„Zeigst Du mir deine Kirche?“ fragte Angelika <ihren> Kaplan, „die Ecken, wo sonst niemand hinkommt?“ Seit zwei Wochen hatten sie und der Geistliche ein Verhältnis. Ein sündiges Geheimnis hatte Matthias es genannt. Sie mussten aufpassen, dass sie nicht ins Gerede kamen. So gab es seither nur drei weitere Gelegenheiten, bei denen sie ihrem Verlangen aufeinander nachgeben konnten.
Gerne wollte er ihr diesen Gefallen tun und verabredete sich nach ihrem Büro-Job in der Sakristei. Es war ein eher kühler Tag, so dass sie eine Jacke und ein leichtes Halstuch trug. Hose statt Rock kam aber für sie heute nicht in Frage.
„Was willst Du sehen?“ fragte der Kaplan nach einem Begrüßungsküsschen. „Alles!“ antwortete Angelika keck. „Und vor allem die einsamen Stellen…!“
Matthias grinste über das ganze Gesicht. „Einen Keller gibt es nicht!“ begann er seine Führung. Er führte sie ins Kirchenschiff, erklärte die Malereien und Bilder, ließ sie in den Beichtstuhl sehen und referierte über die langen Jahre, in denen diese Kirche erbaut wurde.
Er forderte sie auf, die Kanzel zu besteigen. „Ein schöner Überblick von hier oben!“ hauchte Angelika beeindruckt. Matthias stand unten und wartete geduldig, bis sie sich sattgesehen hatte. Doch anstelle wieder herunterzukommen bückte sie sich kurz und entschwand damit aus Matthias‘ Blickfeld. „Was machst Du da oben?“ fragte er neugierig. „Ich zieh‘ mich aus!“ hauchte Angelika zurück, „vielleicht führst Du mich dann in eine stille Ecke, wo wir ungestört sind!“
„Das machst Du nicht!“ flehte der Geistliche, „Du bringst uns in Teufels Küche!“
„Hierher wird sich der Teufel nicht wagen!“ antwortete Angelika und warf ihm ihren Slip zu.
Nach einem weiteren eindringlichen Appell ihres Geliebten kam sie brav wieder herunter.
„Eine Südstaaten-Sklavin hätte man jetzt gepeitscht!“ erläuterte Matthias, der ihr bereits mehrfach von seinem Steckenpferd; die Entdeckung Amerikas, Sklaverei, Bürgerkrieg und die Gründung der Vereinigten Staaten; erzählt hatte.
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