In ihrem besten dunkelgrünen Kleid, in Ledersandaletten, betrat sie seufzend die Treppe, die nach unten in die Gaststube führte.
Denn der Hof von Annas Eltern verfügte, wie das früher so war, über eine Gaststube.
Die Überlegung damaliger Bauern war, dass das eine oder andere Mal eine Kartoffelernte wegen zu vieler Gewitter oder zu viel Trockenheit nicht eingefahren werden konnte. Dass die Schweine an einer Seuche verenden konnten. Dass die Äpfel im Fruchtgarten wurmstichig sein könnten. Darum gab es die Gaststube, die auch in beschwerlichen Jahren ein minimales Einkommen garantierte, Schnaps und Bier sei Dank.
Wortlos umarmte Anna ihren Vater, der noch mürrischer war als sonst. Niemals hätte er zugegeben, dass er seine Tochter bereits vermisste, als sie noch da war. Aber er hatte so gut wie nie durchblicken lassen, wie sehr er sie liebte. Bonzovic, den Knecht, der schon einmal Annas nackte Mumu und ihr magisches Zehenspiel hatte blicken dürfen, umarmte sie nur kurz, um sich dann weinend an den schweren Busen ihrer Mutter zu werfen. „Wir Frauen sind alle Schwestern“, sagte ihre Mutter, und sonst nichts. „Wir Frauen sind alle Schwestern, Schwestern im Körper und Schwestern im Geiste“.
So philosophisch hatte Anna ihre Mutter, die sich sonst eher mit alltäglichen Dingen wie Teig kneten, Scheuern, Schrubben und Schweinekoben reinigen auseinander setzte, noch nie erlebt. Tomina, wie Annas Mutter hiess, hatte ihrer Tochter einen grossen Korb mit allerlei Lebensmitteln bereit gemacht und ein rot-weiss kariertes Tuch über den Korb gelegt. „Nimm ihn“, sagte sie, und dann blieben ihr sämtliche weiteren Worte im Hals stecken. Anna sah ihren Bruder nicht mehr, vermutlich arbeitete er im Wald und wich so dem Abschied von seiner Schwester aus, die sich während eines ganzen Jahres in den Balmiwald zurückziehen wollte,
Alle blickten Anna nach, auch ihr Vater, heimlich, und Bonzovic sah sich an Annas wiegenden Hüften satt.
Suppe und Sex
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