Suppe und Sex

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Suppe und Sex

Suppe und Sex

Anita Isiris

Dann war es still auf dem Hof. Die Kühe muhten nicht. Die Hennen gackerten nicht. Die Schafe blökten nicht. Kathrine, die Neufundländer-Hündin, vergass das Hecheln und das Bellen. Dann war Anna weg.

Sie wechselte mehrmals den Korb von der Linken in die Rechte, denn er war sehr schwer. Ihre Mutter hatte es gut gemeint mit ihr. Bald verschwand das Dorf nach dem ersten Hügel, dann nach dem zweiten, dem dritten. Dann war da nur noch ein feiner Nebel, und Anna wusste nicht, ob er auf ihre tränenverschleierten Augen zurückzuführen war oder auf eine Wetterlaune. Wenig später raschelte Laub unter ihren Sandaletten, und Anna füllte ihre Lungen mit Föhrenduft. Sie stellte den schweren Lebensmittelkorb zu Boden und streckte sich. Wenn eine Frau sich streckt, dann ist das ein Naturschauspiel. Immer. Wenn Anna sich streckt, hypnotisiert sie sogar die Spechte und Eichhörnchen, die es im Balmiwald nicht zu knapp gab. Um sie herum war es totenstill, aber Anna kannte ihr Ziel. Noch wenige Kilometer waldeinwärts, und dann würde das silberhelle Plätschern des Balmibachs zu hören sein. Ein Plätschern, das man nicht nur hören, sondern auch fühlen konnte in seiner erfrischenden Fröhlichkeit. Anna wusste, dass sich die eine oder andere Forelle in diesem Bach verirrte, stellenweise war er ziemlich breit und auch tief. Mamas Vorräte würden nicht ewig reichen, für ein Jahr schon gar nicht, und Anna würde auf Waldvorräte angewiesen sein. Sie würde mit dem Wald zusammenarbeiten. Er würde sie nähren, sie würde ihn, oder zumindest ihre nähere Umgebung, hegen und pflegen.

Dann stand es direkt vor ihr, das Waldhäuschen. Es war tatsächlich ein Häuschen, mit einem bemoosten Dach, und es bestand aus einem einzigen Wohnraum und einer winzigen abgetrennten Küche. Die Küche war allerdings eher eine bessere Werkbank,denn irgendwo mussten ja Holzspäne geschnitten, Pilze gerüstet und Tannennadeln zerkleinert werden.

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