Es verging kein Tag, an dem nicht irgendeine Aufmerksamkeit auf mich wartete. Eine Blume auf meinem Schreibtisch, eine Schachtel Pralinen auf meinem Kopfkissen im Bett, ein Ring, wenn wir uns beim Italiener verwöhnen ließen. Ein Armreif, wenn er mich mit einem Vorwand in sein Büro gerufen hatte. Eine Kette, weil ich meckerte, dass ich zu einem bestimmten Kleid keinen passenden Schmuck hatte.
Ein Herz, dass er aus einem Stück Wurst zum Frühstück herausgeschnitten hatte, und, und, und …! Die Liste könnte ich endlos weiterschreiben. Die Krönung war dann eine eigene Kreditkarte für eines seiner Konten. Das war der berühmte Tropfen zu viel, der mein Tränenwasser zum Überlaufen brachte.
„Nie wieder sollst du Not leiden, meine Prinzessin.“, flüsterte er mir zu, als er sie mir in die Hand drückte. Meine Tränen küsste er einfach weg. Immer, wenn neue kamen, nahm er sie gleich wieder auf. Keine einzige schaffte es bis an meine Mundwinkel, wo ich sie spätestens selbst abgefangen hätte. Ich lehnte mich an seine Brust, suchte den Schutz seiner Arme, den er mir nicht verwehrte.
„Nicht weinen, mein Schatz! Es ist doch nur Geld.“, küsste er meine Augenlider.
„Du sagst das, als wäre es nichts. Dabei ist es mehr als nur ein Geschenk. Es bedeutet Vertrauen, verlangt Ehrlichkeit. Es ist so viel mehr als nur Geld, verstehst du?“
„Stimmt schon Josie, das ist es. Aber ich weiß, dass du dieses Teil niemals unüberlegt nutzen wirst. Ach übrigens, das Tageslimit beträgt 15.000.“
„Sagtest du ‚Tageslimit‘, Schatz?“
„Ja, ist das zu wenig? Dann rufe ich morgen gleich bei der Bank an.“
„Zu we …, nun bleib mal auf dem Teppich, Liebster. Das ist utopisch viel.“
„Dann lade doch mal deine Mutter zum Shoppen ein. Überhaupt würde ich sie gern mal kennenlernen.“
„Die haben mich verstoßen, nachdem ich aus der Wohnung geflogen war und Thomas wegen des Dreiers die Verlobung gelöst hatte.“
Sven, Ela und andere Irrwege
Josie
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Sven, Ela und andere Irrwege
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