Karlas drei Kinder waren längst ausgezogen, aber Svenja dachte gerne an die Ferien auf dem Bauernhof zurück. Damals tollte sie mit ihren Cousinen über die Wiesen, half Onkel Klaus beim Melken und Tante Karla beim Stallausmisten. Tanta Karla und Onkel Klaus waren beide liebenswerte Menschen, die eine natürliche Autorität ausstrahlten. Einmal hörte Svenja seltsame Geräusche, die aus der Scheune drangen. Sie verbarg sich hinter einem Busch, weil sie die Situation sehr spannend fand. Nach einer Weile kam ihre älteste Cousine aus der Scheune. Die damals 18-jährige Lucy rieb sich den Hosenboden ihrer Jeans, wobei ihr Gesicht eine deutliche Röte zeigte. Dann folgte Onkel Klaus, der Lucy an die Hand nahm. Er strich durch ihr Haar, ehe er mit einem Taschentuch ihre Tränen abtupfte. Lucy schien ihrem Vater nicht böse zu sein, worüber Svenja sich wunderte. In diesem Moment beneidete sie ihre Cousine sogar ein bisschen, obwohl sie sich das nicht erklären konnte. Als Svenja sich an dieses Ereignis erinnerte, nahm ein Plan Gestalt an, der sich immer stärker in Svenjas Kopf manifestierte. Sie suchte ihre Mutter, die auf der Küchenbank saß und eine Tasse Kaffee vor sich hatte. „Es tut mir leid, Mum, dass ich dich angeschrien habe. Ich hätte das nicht tun sollen.“ Svenja gab ihrer Mutter einen Kuss. Yvonne lächelte, während sie ihrer Tochter einen Cappuccino aus dem Vollautomat ließ. „Du trinkst doch einen, oder?“ Svenja nickte. Das heiße Getränk tat ihr gut. Sie nahm allen Mut zusammen. Svenja war sich bewusst, welches Risiko sie gerade eben einging. Wenn sie ihren Plan erfolgreich in die Realität umsetzen wollte, dann klappte es aber nur auf dem Hof ihrer Tante. Svenja machte ihrer Mutter einen Vorschlag, von dem sie sehnsüchtig hoffte, dass sie ihn annehmen würde. Es war ihr wichtig.
„Mama, was hältst du davon, wenn wir über das Wochenende zu Tante Karla und Onkel Klaus fahren?
Svenjas Entscheidung
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