Ich hatte Swenja begehrt und ich hatte sie geliebt. Das war es; ich liebte sie! Ohne dass ich bewusst auf Swenjas Frage geantwortet hatte, hatte sie meine Gedanken anscheinend wahrgenommen, denn ich hörte ihre Antwort darauf in meinem Kopf.
‘Ich liebe Dich auch, Josh’, flüsterte ihre Stimme mir zu, während ihr Mund schwieg.
Ganz sanft wiegte ich dieses zarte und so zerbrechlich wirkende Wesen in meinen Armen. Ich blickte über sie hinweg zum Strand und sah dort noch immer Selina auf unserer Decke knien. Ich hatte ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen, obwohl sie mich in gewisser Weise fast dazu gedrängt, nein, nicht gedrängt, motiviert hatte, mich auf die Magie und die Anziehungskraft, die auf unerklärliche Weise zwischen Swenja und mir herrschte, einzulassen. Ich wünschte mir, sie jetzt ebenfalls bei mir zu haben. Aber ich wollte die friedliche Stille der Erschöpfung nicht dadurch unterbrechen, dass ich Selina gerufen hätte. Und leider fehlte mir die Gabe, mich mit ihr ebenfalls auf telepathische Weise verständigen zu können. Für Swenja waren meine Gedanken wie ein offenes Buch. Ohne ihre Augen zu öffnen, flüsterte sie: „Rufe sie Josh. Selina liebt Dich so sehr! Das Geschenk, das sie uns macht, ist so groß und selbstlos, wie es nur jemand machen kann, der wahrhaftig liebt!“
Ich war noch immer völlig verwirrt und weiß nicht, worüber ich mich am meisten wunderte; darüber, dass Swenja einfach meine Gedanken las, oder darüber, wie sie sprach. Das waren nicht die Worte einer zwanzig Jahre alten Frau, in der ich noch immer ein jüngeres Mädchen sah. Es klang für mich wie die Stimme eines Engels. Swenja, die ‘junge Kriegerin’ hatte alle meine Mauern niedergerissen und mein Herz im Sturm erobert. Und doch war sie eine reine Seele, die trotz der erotischen Anziehungskraft, die zwischen uns herrschte, nur aus Licht zu bestehen schien.
Telepathie
schreibt SvenSolge