Tage wie dieser - Teil 1

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Tage wie dieser  - Teil 1

Tage wie dieser - Teil 1

Blackbunny

Heute ist nicht mein Tag. Da bin ich mir komplett sicher. Ich bin mit dem falschen Fuß aufgestanden, mein Mann hat Herzrasen, meine Tochter sucht ihr Schulbuch…. Ich muss hier raus. Glücklicherweise wartet heute der große Termin in Frankfurt auf mich und obwohl ich weder Frankfurt noch das Verlassen meines vertrauten Home-Office mag, so bin ich in diesen Minuten einfach nur erleichtert, alles hinter mir lassen zu können.
Auf der Autobahn geht der Tag weiter, wie er begonnen hat. Die 67 ist voll, Darmstadt ein Graus und auf der Vierspurigen dominieren Raser und Schleicher im Wechsel das Bild. Kurzum, ich wünsche mich auf einen anderen, sehr einsamen, Planeten.
Während ich mich vorwärts quäle, streicht mein Finger über meine Lippen und ich muss an den Kuss letzte Woche denken. Es tat so gut, endlich wieder geküsst zu werden. Gesehen zu werden. Mehr zu sein als Mutter, Hausfrau, Ehefrau, Tochter, „Schatz, ich suche … Du weißt doch bestimmt, wo das ist, oder?“
Hände, die gierig meine Kleidung abstreiften. Küsse, die nie aufhören wollten. Laute, die mir jetzt noch eine Gänsehaut zaubern.
Gedankenverloren sehe ich dem Stoßstangen Inferno vor mir zu und muss kurz grinsen. „Stoßstange“ - innerlich rolle ich die Augen über meine eigene Infantilität und dennoch denke ich, eine "Stoß"-"Stange", hätte ich jetzt auch gerne. Oh man!
Mein Lieblings-Parkhaus ist gefühlt ewig von meiner Destination entfernt und in meinen Heels schmerzen mir die Füße. Egal, muss ich durch. Normalerweise habe ich für das Laufen immer ein paar Skechers dabei und ziehe erst kurz vorher die Pumps an aber, genau, der Tag heute hat mich meine Schuhe an der Tür vergessen lassen. Also trippel ich über Kopfsteinpflaster und viel zu kurze Ampeln.
Vor dem Gebäude angekommen merke ich, ich bin doch um einiges zu früh und überlege, was ich präsentieren wollte und ob ich mich dennoch schon nach oben begebe.
Der Termin ist wichtig. Einer unserer Großkunden hat einen Berater eingekauft, um seine Ausschreibung für das kommende Jahr aufzusetzen. Seit Wochen verdrehe ich darüber die Augen. Ich habe ein ernstes Problem mit den Berater Schnöseln, ihrem teuren Geschwätz und noch teureren Uhren und Anzügen. Am liebsten sehe ich sie, wenn sie aus der Tür gehen. Egal, mein Kunde hat sich das in den Kopf gesetzt, also muss ich mitziehen, wenn ich möchte, dass die Ausschreibung erfolgreich verläuft.
Einsetzender Nieselregen (wie passend, denke ich) macht mir die Entscheidung leichter und ich trete durch die Drehtür auf den Aufzug zu. Im Innenraum atme ich einen Duft ein, der mich aufmerksam werden lässt. Kenne ich den Duft doch nur zu gut aus meinem Rendezvous letzte Woche. Hitze steigt mir ins Gesicht bei den Gedankenbildern, die gerade in meinem Geist auftauchen. Welch ein schöner Zufall und zum ersten Mal erscheint dieser Tag nicht ganz so trist und grau.
Ich melde mich am Tresen an. Immer aufmerksam und freundlich zur Assistentin und zur Empfangsdame sein. In jedem Unternehmen sind sie die wichtigsten Mitarbeiter. Lächelnd heftet sie mir den Besucherausweis an und bringt mich zum Raum, obwohl ich viel zu früh bin aber "ein anderer Herr ist auch schon da und wartet." Na dann.
Sie öffnet mir die Tür und mir bleibt die Luft im Hals stecken. Ich fühle, wie meine Wangen rot werden und Hitze in mir aufsteigt. Das kann nicht sein! Nein, nein, nein, das kann nicht sein!
Etwas panisch sehe ich zum Fenster und mein Herz schlägt bis zum Hals. Das ist absolut unmöglich und dennoch sehe ich dich dastehen. Dich, aus meinem Kopf. Aus meinen Gedanken und meinem Treffen letzte Woche. Es sind die gleichen Augen, die mich letzte Woche beobachtet haben, als dein Kopf zwischen meinen Schenkel lag. Der gleiche Mund, der meinen letzte Woche wund geküsst hat. Die gleichen Finger, die letzte Woche an mir waren, in mir waren, überall waren.
Ich würde dir gerne etwas sagen, aber, ich bekomme keinen Ton heraus.
Nicht ganz ohne eine gewisse Befriedigung stelle ich fest, dass auch dein Mund leicht geöffnet ist und deine Augen sich weiten. Wenigstens bin ich nicht allein!
Ich bin so durcheinander, ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich will weglaufen, zu dir laufen, schimpfen und empört sein und dich küssen, riechen, schmecken und das alles auf einmal.
Die freundliche Dame vom Empfang sieht von dir zu mir und wieder zurück und entlässt uns beide mit den Worten "Kaffee steht hinten links, Wasser auch. Wenn Sie noch etwas benötigen, dann kommen Sie gerne zu mir." Sie schiebt mich ein wenig vor und schließt geräuschlos die Tür hinter mir.
Ich starre dich weiter an, unfähig, auch nur ein Wort zu sagen.
"Was tust du...?!" fangen wir beide gleichzeitig an und sind daraufhin wieder still.
Irgendwie fühle ich mich in der Defensive also platze ich raus, "Ich hatte keine Ahnung! Ganz ehrlich nicht! Ich hatte keine Ahnung!"
Du sagst erst einmal gar nichts und ich frage mich, inwiefern dich diese Situation tangiert oder nicht. Bist du so stoisch? So gelassen? Blöde Niedersachsen. Immer so kühl. Ich möchte am liebsten weglaufen! Raus aus dieser Situation.
Als nichts kommt und du mich noch immer nur ansiehst, drehe ich mich um und greife nach der Türklinke. Weit komme ich nicht, als ich deine Schritte hinter mir höre. Deine Beine um einiges schneller bei mir. Deine Hände greifen meine Taille und du hältst mich fest, drückst dich an mich. "Hey! Beruhige dich. Ich hatte auch keine Ahnung!" Mein Kopf hängt und ich fühle mich überfordert. Gleichzeitig fühle ich dich an meinem Rücken, meinem Po. Ist das eine Erektion?! Ungläubig sehe ich zu dir nach hinten. Echt jetzt?
Du zuckst nur mit den Schultern.
Bastard!
Ich schließe meine Augen und atme tief ein und aus. Ich schaffe das. Ich bin eine erwachsene Frau, kenne meinen Wert und bin beruflich hier. Ich kann das.
Langsam drehe ich mich zu dir um und dein Duft umhüllt mich. Zugegeben, seitdem ich weiß, dass es xxx ist, bin ich zwei Mal in der Drogerie daran festgehangen, um dich zu riechen. Etwas creepy, oder? Du siehst so gut aus in deinem Anzug und mir läuft das Wasser im Mund zusammen beim Gedanken, was ich gerne alles mit dir machen möchte.
Deine Hände noch immer an meiner Taille, lege ich dir meine Hände auf die Schulter und sehe dich an. "Was für ein Mist, oder?", raunst du mir zu und deine Stimme hat diese dunkle Färbung, die meine Knie weich werden lässt. Kann das sein oder spüre ich wirklich, wie sich diese verräterische Feuchtigkeit in meinem Schritt verteilt? Oh man. Schlimmer geht nicht mehr.
"Kann ich dich küssen?", fragst du und deutest mit dem Kinn auf meinen Lippenstift. Meine Finger reiben über meinen Mund und ich zeige dir, dass keine Farbe daran ist. "Kussecht", gebe ich leicht hilflos zurück.
Ich habe das Wort noch nicht ganz zu Ende gesprochen, da drückt sich dein Mund bereits gegen meinen und deine Zunge fordert Einlass. Ein Seufzen erfüllt den Raum und erschreckt stelle ich fest, das Geräusch kam von mir. Herr, bitte lass sich irgendwo ein Loch öffnen! Aber viel denken kann ich nicht mehr. Dein Ständer drückt sich gegen meinen Bauch und deine Hand verfängt sich an meinem Kopf.
Meine Hände gleiten unter dein Jackett und die Wärme deines Körpers tut gut. Ich verliere mich in dir und fühle nur deine Zunge und deine Hände. Ich ziehe dir das Hemd hinten aus der Hose, um mit der Hand hineinzuschlüpfen und dich zu berühren. Nur verschwommen merke ich, wie deine Hand unter meinen Rock gleitet. Ich will dich jetzt haben und genau wieder dort anknüpfen, wo wir letzte Woche aufgehört haben. Möchte mir Zeit lassen und nicht hetzen müssen... Zeit? Zeit! Wir haben keine Zeit. Mit einem kleinen Aufschrei und einem erschreckten Biss auf deine Zunge, schiebe ich dich weg. "Aua", kommt es empört von dir, aber dann hörst auch du, was mich hat erschrecken lassen.
Schritte. Schritte und mehrere Stimmen, die über den Flur kommen.
Schnell fahren wir auseinander und etwas panisch mache ich mich wieder zurecht. In der Reflektion des Fensters versuche ich meine Haare zu richten und du zupfst Hemd und Hose wieder zurecht.
Da geht auch schon die Tür auf und ich spüre selbst, dass ich mit hochrotem Kopf und so weit es geht von dir entfernt, im Raum stehe.
"Ah, da sind Sie ja! Hatten Sie schon Gelegenheit sich kennenzulernen?"
Na, das kann ja heiter werden.

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