Heute ist nicht mein Tag. Da bin ich mir komplett sicher. Ich bin mit dem falschen Fuß aufgestanden, mein Mann hat Herzrasen, meine Tochter sucht ihr Schulbuch…. Ich muss hier raus. Glücklicherweise wartet heute der große Termin in Frankfurt auf mich und obwohl ich weder Frankfurt noch das Verlassen meines vertrauten Home-Office mag, so bin ich in diesen Minuten einfach nur erleichtert, alles hinter mir lassen zu können.
Auf der Autobahn geht der Tag weiter, wie er begonnen hat. Die 67 ist voll, Darmstadt ein Graus und auf der Vierspurigen dominieren Raser und Schleicher im Wechsel das Bild. Kurzum, ich wünsche mich auf einen anderen, sehr einsamen, Planeten.
Während ich mich vorwärts quäle, streicht mein Finger über meine Lippen und ich muss an den Kuss letzte Woche denken. Es tat so gut, endlich wieder geküsst zu werden. Gesehen zu werden. Mehr zu sein als Mutter, Hausfrau, Ehefrau, Tochter, „Schatz, ich suche … Du weißt doch bestimmt, wo das ist, oder?“
Hände, die gierig meine Kleidung abstreiften. Küsse, die nie aufhören wollten. Laute, die mir jetzt noch eine Gänsehaut zaubern.
Gedankenverloren sehe ich dem Stoßstangen Inferno vor mir zu und muss kurz grinsen. „Stoßstange“ - innerlich rolle ich die Augen über meine eigene Infantilität und dennoch denke ich, eine "Stoß"-"Stange", hätte ich jetzt auch gerne. Oh man!
Mein Lieblings-Parkhaus ist gefühlt ewig von meiner Destination entfernt und in meinen Heels schmerzen mir die Füße. Egal, muss ich durch. Normalerweise habe ich für das Laufen immer ein paar Skechers dabei und ziehe erst kurz vorher die Pumps an aber, genau, der Tag heute hat mich meine Schuhe an der Tür vergessen lassen. Also trippel ich über Kopfsteinpflaster und viel zu kurze Ampeln.
Vor dem Gebäude angekommen merke ich, ich bin doch um einiges zu früh und überlege, was ich präsentieren wollte und ob ich mich dennoch schon nach oben begebe.
Tage wie dieser - Teil 1
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Tage wie dieser - Teil 1
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