Tanaka, der Mäzen

"Das kleine Teehaus" in Kyoto

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Tanaka, der Mäzen

Tanaka, der Mäzen

Joana Angelides

Ich wähle ihn immer aus, wenn ich in jenem Kleinen Teehaus in Kyoto bin, um mich dort fallen zu lassen, meinen Körper in höhere Sphären tragen zu lassen und schreiend meine Orgasmen genießen will. Schon beim Buchen des Zimmers buche ich ihn mit.
Ich blicke mich ängstlich um. Hat jemand meine Erregung, mein Erschrecken bemerkt?  Doch nein, niemand beachtet mich, errät meine Gedanken und Empfindungen. Ich blicke wieder in die Richtung von Tanaka, doch er scheint mich nicht mehr zu beachten. Im schwarzen Smoking, dem ernsten Gesicht und den dunklen Augen sieht er fast dämonisch aus.

„Kennst Du dort diesen Mann, der gerade mit unserem Super-Controller so angeregt spricht?“, frage ich einen eben vorbeieilenden Kollegen.
„Nicht persönlich. Das ist einer der Mäzene der Galerie, er unterstützt traditionsgebundene japanische Maler. Muss viel Geld und Einfluss haben, also sei nett zu ihm!“, sagte der Kollege lachend und ging weiter.
Wenn er so wohlhabend ist, warum arbeitet er dann als Masseur für reiche Damen? Das ließ nur eine Antwort zu, er liebte es, er brauchte das.  Für mich tat sich ein Abgrund auf.
Ich starre Tanaka wieder an. Ich werde morgen, fast nackt, nur mit einem Handtuch bekleidet, vor ihm liegen und warten, dass er mit seinen schlanken aber kräftigen Händen jeden meiner Muskel manipuliert; mich fast zum Wahnsinn treiben und mich leise betteln lassen wird! Er wird mir irgendwann seine goldenen langen Nadeln unter die Haut führen und sie drehen und dabei warten, bis ich vor Lust wimmere. Mir wird plötzlich heiß!
Ich stelle mein Glas hin und gehe durch eine der Flügeltüren hinaus auf die große Terrasse. Die kühle Meeresluft tut mir gut.
Ich werde es heute nicht mehr ertragen, noch einmal in diese schwarzen Augen jenes Mannes zu blicken, der mich morgen zum Wahnsinn treiben wird.

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