Die Libidogehetzten süchten nach der ersten langsamen Runde, nach der ersten Gelegenheit zum Frontalangriff. Beim silvery moon bahnt sich schon Nähe an. Die rechte Hand ist nun nicht mehr tanzschulenmäßig im fünfundvierzig Grad Winkel nach oben gestreckt, sondern umfasst locker und zwanglos die Taille. Dort, wo sich die linke sich schon von Anfang an forsch und zupackend verkrallt hat. Die Wangen kommen sich Zentimeter um Zentimeter, Millimeter um Millimeter näher, bis sie sich fast berühren. Die Brüste, von bunter Viskose umspannt, reiben sich im Takt von Aline rhythmisch an blauen Nyltesthemden. Bei Spanish eyes trifft ein tiefer, sehnsuchtsvoller Blick die wasserhellen, wimpernarmen Unschuldsäuglein. Wenn der Fremde am Ufer steht, schnuppert die Nase den Taft, der die Hochfrisur in Form hält. Schwaden von 4711 entströmen dem Ausschnitt und lenken den Blick auf die Quelle des Dufts, auf den kleinen Busen, das winzige Dekolletee im grünen Kleid, auf die weißen, schmalen Träger des BHs, die konkrete Verheißung eines ungewissen Glücks. Auch manche der Blauen haben nach dem Duschen Aftershave aufgetragen, oft massenhaft. Manche stinken so, dass die Jungfern Abstand halten.
Die Colibirs künden eine Tanzpause an. Sie haben sich redlich verausgabt, müssen nun einen Schluck trinken, sich den Schweiß abwischen, mit ihren Groupies flirten, die damals noch Schwarm hießen. Die Blauen süffeln Bier, gehen pinkeln, die Klos sind jetzt überfüllt, auch weil die Säufer ständig neuen Platz schaffen müssen. Dann bleibt noch etwas Zeit, um mit den Kumpeln zu schwadronieren, fachmännische Kommentare abzugeben und zu erhalten. „Die hat aber wenig Holz vor der Hütte. Scheint auf dich zu stehen, wie sie dich anhimmelt. Ist sie wenigstens Friseuse oder Krankenschwester? Die sind ja besonders geil.“ Auf der anderen Seite des Saals Gekicher. Händchen kramen in Handtäschchen. Blicke suchen das Ebenbild in winzigen Spiegeln. Hier wird ein Lidschatten korrigieren, da etwas Puder aufgetragen, dort die verschmierten Lippen nachgefahren. „Da hat wohl einer mächtig zugebissen.“ Sie erschrickt. „Komm, wir gehen aufs Klo, da ist der Spiegel größer.“ Die Kabinen sind auch hier in den Pausen immer besetzt, lange Wartezeiten im Vorraum. Gedränge an den Waschtischen. Erfahrungsaustausch: „Also weißt du, der geht ganz schön ran. Aber er ist süüüß, findest du nicht auch?“ Manchmal auch Gekeife, Stutenkämpfe. „Der ist mir. Lass die Finger von!“
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