Und vergiss nicht, sie hat sich von dir nicht ohne Grund verbinden lassen. Das muss dir klar sein.“
Ich war im Bad und wusch mir Gesicht und Hände, als die Tür langsam aufging und Luzida mich mit großen Augen ansah.
„Was hat sie über mich gesagt?“
Ich muss sie überrascht angesehen haben, denn sie lächelte traurig.
„Du musst nichts sagen. Sie hat dir Schauergeschichten über mich erzählt und gewarnt, dass ich dein Untergang sein würde.“
Sie reichte mir eine Visitenkarte. „Meine Karte. Wenn Du sie unter ultraviolettes Licht hältst, wirst Du wissen, wie ich zu erreichen bin – privat. Wenn Du zu mir kommst, kannst Du herausfinden, ob es stimmt, was über mich gesagt wird.“ Sie lächelte mich herzerwärmend an und sagte: „Richte Terry meine Grüße aus.“ Dann war sie so rasch verschwunden, wie sie erschienen war.
In der Küche war Terry damit beschäftigt, den Backofen zu putzen.
Ich zeigte Terry Luzidas Visitenkarte: „Du hast recht, sie hat mich eingeladen.“
Terry nahm die in einem sanften Himmelblau gehaltene Karte, las sie und wiegte den Kopf: „Es gibt Dinge die probiert man und kennt sich aus. Es gibt Dinge, die probiert man und kennt sich nicht mehr.“ Dann warf sie die Karte in den Abfalleimer.
„Danke für die Warnung.“
Terry blickte besorgt: „Es gibt Männer, bei denen es reinregnet. Die lassen sich auf sowas ein. Die Diamonds werden fett an ihnen.“
„Verstanden, aber mal unter uns von einem hungrigen Wesen zu einem vielleicht ebenfalls hungrigen Wesen. Was hältst Du von einem guten Essen mit allem Drum und Dran. Ich lade ein.“
„Und ich dachte, gestrandete Bootsbauer sind klamm.“
„Stimmt auch, aber nicht ganz, denn ich habe von Einar Lohn bekommen und davon so gut wie nichts ausgegeben.“
„Na dann los, aber wirst Du dich nicht schämen mit mir altem Weib.“
„Wieso, Leute, die uns sehen, werden wissen, dass da ein junger gutaussehender Mann mit seiner gebrechlichen, ergrauten...“
Ihre Faust traf mich knapp unter dem Rippenbogen. „Ich geb‘ dir gleich Gebrechlichkeit.“
Ich seufzte und schnappte nach Luft.
„Jaul‘ nicht rum, hast Du verdient! In fünfzehn Minuten in der Diele. Ich habe dir ein passendes, frisches Hemd in unverdient unschuldigem Weiß rausgelegt,“ sagte sie anzüglich.
„Von Bert?“
Sie schüttelte den Kopf und sagte im Hinausgehen: „Von Durant. Der braucht das die nächsten Monate nicht.“
Ich wartete bis sie sich entfernt hatte, dann holte ich Luzidas Visitenkarte heraus, leerte die benutzten Papiertaschentücher meiner Hose in den Abfalleimer, um den Schwund an Blau im Abfalleimer zu kaschieren.
Noch dreizehn Minuten. – Auf dem Weg ins Bad fiel ich in einen munteren Laufschritt.
Tante Terry
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Tante Terry
Liebe kann nicht ideal sein.
Das widerspräche ihrem Wesen.
Lucida Bonnet
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