Aber wir sahen uns bei verschiedenen Anlässen und im Laufe der Zeit belebte sich unser Verhältnis wieder. Ihre Art, das Leben anzugehen, ihre Heiterkeit sprachen mich ebenso an, wie ihre Entschlussfreudigkeit. Sie setzte sich gelegentlich kraftvoll und zielstrebig für etwas ein und entwickelte dabei manchmal die kompromisslose Art einer Kanonenkugel. Ich liebte sie dafür, dass sie mir viele Themen nahebrachte, wenig beachtete, welche, die ich nicht anzusprechen wagte und solche, von denen ich nicht im Traum vermutete, dass es sie gab. Und eines Tages stellte ich fest, dass ich meine Tante vermisste, wenn ich sie länger nicht sah.
Terry an Ralph: „Was willst Du trinken, wir haben Kaffee, Tee und sogar Abnehm-drinks, die mir dein Schwesterherz großzügig verehrt hat.“ Ihre Stimme war nahe, weil sie jetzt am Türrahmen des Bades lehnte.
„Abnehmdrinks?“
„Ja, Ilona glaubt, ich bräuchte das.“
„Das hat sie sicher nur als Möglichkeit gesehen.“
„Nicht ausweichen Ralph, was sagst Du?“ Sie drehte eine Pirouette und knickste übertrieben.
„Hiermit erkläre ich dich zu einem Leckerbissen,“ verkündete ich.
Ihre grauen Augen leuchteten: „Lügner, - der Arsch ist zu fett und meine Oberweite passt besser zu einer Holsteinerin, wie mir mein Ex mal anvertraut hat?“
„Hat er denn mit so vielen Holsteinerinnen zu tun, dass er sich da ein Urteil erlauben könnte?“
Terry spedierte mir einen Blick, den ich nicht zu deuten vermochte. „Der Name steht für ein Rassevieh in der Weidewirtschaft.“
„Ach, naja, Du hast da viel Gutes,“ erklärte ich mit hilfloser Feierlichkeit „sowohl hinten als auch vorne und ... jedenfalls hast Du einen tollen Busen.“
Sie boxte mich an den Oberarm und sah gespielt sorgenvoll zur Decke. „Merkst Du nicht, dass sich die Balken biegen, wenn Du so dreist lügst. Trotzdem schön, dich hier zu haben, alter Charmeur.“
Tante Terry
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Tante Terry
Liebe kann nicht ideal sein.
Das widerspräche ihrem Wesen.
Lucida Bonnet
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