Nur nicht den Zorn durch Abwehr anstacheln, sie wollte leben, weiterleben, und den Preis einer Einmal-Rein-und-Raus-Demonstration eines kranken Gehirns würde sie schweigend ertragen, und dann genau in dem Augenblick, in dem Rolf nicht mehr klar denken konnte, weil er sich als Sieger wähnte, den ihm sein mickriges Anhängsel vorspielte, würde sie den spitzen Absatz nehmen, zustoßen, blindwütig, mit aller Gewalt, derer sie fähig war, sich an seinen Schreien, seinem Blut weiden und die Bullen rufen, die sie von ihrem Albtraum befreien würden.
Ein Geräusch näherte sich. Fast unhörbar, aber unabweislich. Es war so weit. Rosamarie krümmte sich noch mehr. Gleichzeitig war ihr Körper bis zum Zerreißen gespannt. Ihre rechte Hand umklammerte zitternd den Schuh.
„Miau.“
Duda, ihre unerträglich empfindsame und eigenwillige Katze, stand vor Rosamarie und starrte sie ausdruckslos an.
Verdammt, von dem Moment an, als diese blödsinnige Kreatur Rosamarie beinahe den Herztod beschert hatte, weil sie in ihrer Eifersucht in der nächtlichen Stille ein wenig Geschirr zerdepperte hatte, hörten auch in der nächsten Zeit die Angriffe von dem Stalker auf. Und Rosamarie hatte sich genauso benommen, wie es die Internet-Ratgeber in solchen Fällen empfahlen. Und was war passiert? Rein gar nichts.
Duda wich mit einem höhnischen Fauchen dem Schuh aus, den Rosamarie nach ihr warf.
„Du Mistvieh, wenn ich dir sage, wer mir im Forum `Ein Mann hat keine Chance bei einer Frau´ heute geantwortet hat, dann ...“
Rosamarie schwieg. Woher sollte die Katze sie verstehen und antworten?
Einige Zeit später tauchte in der ärztlichen Fachpresse ein neuer Fachausdruck auf, über den sich Rosamarie gefreut hätte. Eine dieser Koryphäen wollte sie mit dem Namen lebendig erhalten. Doch er scheiterte. So heißt diese Krankheit heute ganz einfach: „Netstalkrapeomania mit letalem exitus“.
Es ist zwar unwichtig. Aber Duda wohnt jetzt bei Bibi, die nie einen Computer besessen hatte. Und wenn ...
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