Dann war er näher an sie herangerückt, hatte stundenlang ihre Beine gestreichelt, ihre so glatte Haut. Ob sie wohl noch immer so glatt und zart war?
Klatschen riss ihn aus seinen Gedanken. Der Vorhang hatte sich geöffnet, die Schauspieler waren auf die Bühne getreten. Mit einem leisen Seufzer richtete er seine Konzentration auf das Stück. Als er sich das nächste Mal zu seiner Frau wandte, hatte sie den Blick starr auf die Bühne gerichtet und den Rock bereits wieder herabgelassen.
In das Stück vertieft, spürte er plötzlich die Hitze, die von der unbekannten Frau zu seiner Rechten ausging. Spürte sie an seinem Oberarm, merkte, wie sie sich immer mehr in ihm ausbreitete. Ihre halbnackten Oberschenkel waren nur wenige Zentimeter von seinen entfernt. Er müsste nur den kleinen Finger ausstrecken, dann würde er ihr Bein berühren. Gleichzeitig stieg ihm ihr Geruch in die Nase. Fremd, leicht beizend, neu. Erregend. Unter den fremden, betörenden Geruch mischte sich der Geruch seiner Ehefrau. Leicht blumig, ein wenig wie süße Pflaumen. Das war ihr eigener Körpergeruch, der nie von Parfüms übertüncht werden konnte. Warm, wohlig, vertraut. Zwischen diesen beiden Frauen fühlte er sich gleichzeitig geborgen und durch das Neue erregt. Nur schwerlich konnte er jetzt dem Stück auf der Bühne folgen, bei dem viele Schauspieler durcheinander sprachen. Gerade erklärte einer ausschweifend den Syllogismus, doch die Worte gingen durch Julius hindurch. Lag es am Stück? An der Hitze? Oder an der Frau zu seiner Rechten, die durch die Bewegungen ihres Fächers ihren Duft immer wieder zu ihm trug? Er fand nicht einmal, dass sie besonders gut roch, doch ihr leicht strenger Schweißgeruch turnte ihn an. Wie sie wohl da unten roch? Wie sie wohl schmeckte? Seine Frau, ach ja, die hatte er immer gern mit dem Mund verwöhnt, ihren herrlichen Duft aufgeleckt.
Theaterlust
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