Wann hatte er das, das letzte Mal gemacht? Er konnte sich nicht erinnern. Aus den Augenwinkeln blickte er wieder zu der Frau zu seiner Rechten, sah, wie sich ein dicker Schweißtropfen von ihrem Hals seinen Weg über das Dekolleté bahnte und zwischen ihren Brüsten verschwand. Sie schien seinen Blick gespürt zu haben, denn sie drehte sich nun zu ihm und lächelte ihn an. Ein wohliger Schauer durchfuhr ihn kurz, da sie ihm ihre Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Doch im nächsten Moment fühlte er sich ertappt, dass er ihr auf die Brüste gestarrt hatte, und er wandte seinen Blick schnell wieder auf das Geschehen auf der Bühne.
Eine Zeit lang folgte er tatsächlich dem Stück, da schloss sich der Vorhang für die Pause. Füße scharrten über den Boden, Klackgeräusche erfüllten den Saal, als die Sitzflächen der Klappsitze hochschnellten. „Hast du auch so großen Durst?“, fragte seine Ehefrau liebevoll lächelnd. Gerade wollte er schon aufstehen, da bemerkte er, dass die Unbekannte im roten Kleid sitzenblieb. Julius schüttelte nur den Kopf. „Keinen Durst.“ Er drehte seine aneinandergelegten Knie zur Seite, damit seine Ehefrau sich durch die Sitzreihe schieben konnte. Einen kurzen Moment lang war sein Gesicht ihren Brüsten sehr nah, er schnupperte noch einmal in die Luft, doch dann war sie bereits verschwunden und in der Menge der Herausströmenden untergegangen. Seine Sitznachbarin zur Rechten kramte in ihrer Handtasche und fischte schließlich einen Kaugummi heraus. „Darf man das hier überhaupt?“, wandte sie sich an ihn.
„Ich werde Sie nicht verpetzen“, antwortete er im Versuch, möglichst nonchalant zu wirken.
„Lieb von Ihnen.“
Julius wollte das Gespräch unbedingt aufrechterhalten, wollte ihre körperliche Nähe, das Neue, Aufregende, spüren, wollte den Anblick der Unbekannten im roten Kleid und der bestimmt schönen Brüste darunter so lang wie möglich auskosten.
Theaterlust
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