„Und, gefällt Ihnen das Stück?“
„Hm“, machte sie bloß.
„Ich finde die Inszenierung hervorragend ...“
„Ich weiß nicht, was das alles soll. Das mit den Nashörnern. Warum werden die alle zu Nashörnern?“
„Die Nashörner sind doch nur eine Metapher.“
„Eine was?“
„Eine Metapher, ein Sinnbild. Ein Symbol.“
„Ah, ja?“ Die Dame in Rot betrachtete eingehend ihre Fingernägel, deren leicht ins Orange gehender Farbton so gar nicht zu ihrem Kleid passte. „Kann sein. Aber ich verstehe nicht, was das mit den Nashörnern soll. Ist mir aber auch egal. Ich sitze nur hier, weil ich die Karte geschenkt bekommen habe. Der, der sie mir geschenkt hat, ist aber nicht aufgetaucht. Und lieber sitze ich hier in der Kühle, als draußen in der Hitze auf den Bus zu warten. Tja, Sellawie.“
Sellawie? Was meinte sie damit? Sellerie? Oder vielleicht doch C’est la vie? Kurz saß er schweigend neben ihr, dann bot er an: „Soll ich Ihnen das Stück erklären?“ Sie winkte nur ab. Plötzlich wollte er nur noch weg von ihr, sehnte sich nach der Eloquenz seiner Frau. Was hatte er an dieser Unbekannten eben noch gefunden? Jetzt kam ihm ihr Kleid zu eng, zu gewollt vor. Fast schon vulgär. „Entschuldigen Sie mich bitte“, sagte er und stand auf. Als er sich an ihr durch die Reihe drängte, krümmte er seinen Rücken nach hinten, zog seinen Bauch ein. Erleichtert ging er durch die Tür ins Foyer, und schaute sich nach seiner Ehefrau um. Da entdeckte er sie. Wie edel sie doch in ihrem Seidenrock und dem zwar tief ausgeschnittenen, aber doch nicht zu viel enthüllenden Top aussah. Lachend warf sie den Kopf in den Nacken. Dieses Lachen – in genau das hatte er sich damals verliebt, als sie einander auf einer Vernissage eines befreundeten Künstlers vorgestellt worden waren. Früher hatte er sie oft zum Lachen gebracht, doch in letzter Zeit … Geht es allen lang verheirateten Paaren so?
Theaterlust
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