Theaterlust

8 6-10 Minuten 0 Kommentare
Theaterlust

Theaterlust

Alice Chablis

Vor allem, wenn die Kinder allen Raum einnehmen? Langsam schlenderte er zu ihr herüber, beobachtete dabei jede ihrer Bewegungen, die Art, wie sie ihr Glas hielt, mit der anderen Hand ihre dunklen Haare zwirbelte. Als er hinter ihr stand, bedeckte er kurz ihre Schulter mit einem Kuss.
Sie zuckte zusammen, drehte sich dann aber strahlend um: „Ach, da bist du ja. Ich habe gerade mit diesem jungen Mann über das Stück gesprochen.“ Eine Woge der Eifersucht überkam ihn, als der dunkelhaarige, gutaussehende Mann, der höchstens Mitte zwanzig war, ihm die Hand entgegenstreckte. „Es war sehr nett mit Ihnen, aber ich denke, das Stück geht gleich weiter“, verabschiedete sich seine Frau von dem jungen Mann und schlenderte in Richtung Theatersaal. Nach ein paar Schritten raunte sie Julius zu: „Ehrlich gesagt habe ich ihm das Stück erklärt. Er hat überhaupt nicht verstanden, warum sich die Menschen plötzlich alle in Nashörner verwandeln.“
„Warum wundert mich das nicht?“, sagte Julius und spürte Stolz auf seine Frau, aber auch einen Anflug von Zärtlichkeit. Sie war schon immer belesen gewesen.
Die zweite Hälfte der Aufführung verging wie im Flug. Der Dame zu seiner Rechten schenkte er keinen Blick mehr, stattdessen lehnte er sich nah zu seiner Ehefrau. Als sie das Theater verließen, sagte er: „Du siehst heute Abend sehr schön aus.“
Seine Frau blieb stehen. „Das hast du mir schon lange nicht mehr gesagt. Danke, das bedeutet mir viel.“
Julius schluckte und schwieg betreten. Als sie langsam in der Abendhitze nebeneinander zum Parkplatz gingen, nahm er ihre Hand. Sie fühlte sich so weich an, so zart. Seine Frau ließ ihre Hand in seiner ruhen, eine seltene Zärtlichkeit in den letzten Jahren. Plötzlich strich seine Frau mit dem Daumen über seinen Handrücken und ihm lief ein erregender Schauer über den Rücken.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 499

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben