Die anderen Mädchen akzeptieren sie nicht, was wohl auch an ihrer Herkunft liegt. Sie stammt ja aus einem wohlhabenden Haus und benimmt sich mitunter etwas blasiert. Ich glaube aber, dass sie unsicher ist und sich deswegen so herablassend verhält. Vielleicht würde eine gewisse Strafe helfen.“
„Sie denken an einen tüchtigen Popovoll?! Da bin ich ganz ihrer Meinung, auch in Bezug auf unser
Käthchen. Bei ihr muss ich mir vorwerfen, zu lange gewartet zu haben! Ich werde ihr den Ausgang streichen, nachdem ich sie übers Knie gelegt habe. Das faule Mädel muss mal wieder ihren Popo spüren, wenn sie am Schreibtisch sitzt. Bei Theresa sollten sie achtsamer vorgehen, da sie eine zarte Seele zu sein scheint! Erklären sie ihr, dass sie hier willkommen ist. Dann wird sie sich heimisch fühlen. Ihre Eltern sind aus den Ostgebieten gekommen. Sie kennen ja auch die Vorbehalte, die den „Flüchtlingen“ entgegen schlagen, besonders wenn sie es zu etwas gebracht haben. Wir wissen beide, dass auf Ruteberg ein anderer Geist herrscht. Hier bekommt jedes Mädchen seine Chance…!“
Stefan nickte. Mittlerweile schätzte er nicht nur Hedwig Reisers Klugheit, sondern auch ihre gesunde Menschenkenntnis. So besprachen die Pädagogen, dass sich Stefan um Theresa und Hedwig um Käthe kümmern sollten. Da die Zeit bis zur Zeugniskonferenz drängte, wurden beide Mädchen für den nächsten Vormittag einbestellt. Käthe wartete vor dem Lehrerzimmer, kaute dabei auf einem Kaugummi herum. Theresa zupfte an ihrem Rocksaum, konnte ihre große Aufregung nicht verleugnen. Käthe sprach sie auch unverblümt darauf an, wie es halt ihre Art war: „Na Theresa, juckt dir schon der Hintern? Wir werden wohl beide den Arsch vollkriegen, das kann ich dir jetzt schon sagen…“ Theresa wurde ganz rot! Für sie war dieser Gedanke ganz schrecklich. Die hübsche, junge Frau hatte noch nie Schläge bekommen und fühlte sich deshalb sehr unwohl.
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