Aber dann schob sie mir das Begleitschreiben über den Tisch, und ich las mit eigenen Augen, was ich nicht für möglich gehalten hatte.
* * *
Das hatte ich also davon, daß ich mich - aus Zweifel an meinem eigenen Können - zu einem Fernlehrgang im Schreiben angemeldet hatte! 'Individuelle Betreuung' war mir da versprochen worden, 'von Profis, die ihr Handwerk verstehen'. Und dann kam diese Cassette, auf der man mir mit Hilfe einer unglaublich einfältigen Geschichte beibringen wollte, wie man mit Satzzeichen umgeht.
Ich saß wie ein begossener Pudel da und wußte nicht, ob ich lachen oder mich ärgern sollte. Meine Königin glaubte doch nicht etwa, daß ich auf so etwas angewiesen war!
"Willst du nicht doch den Rasen mähen?" fragte sie. "Von so einem Tiefschlag erholt man sich am besten mit etwas körperlicher Arbeit."
Ich ging in den Schuppen, wetzte grimmig die Sense und ließ meine Wut an der Wiese aus. Schwaden um Schwaden fiel, und nach kurzer Zeit hatte ich mein Pensum geschafft. Aber auch mein Ärger war verflogen. Schweißnaß streifte ich das Gras von der Klinge und zog mich aus, um mich zu duschen.
Durch den Vorhang erkannte ich die süßen Konturen meiner Königin.
"Du kannst ruhig reinkommen und mir den Rücken waschen. Aber paß auf, daß du nicht ausrutschst", rief sie durch das Sprudeln und Plätschern.
Mit einem Ruck schob ich die Milchglastür zur Seite und nahm sie in die Arme. Sie legte den Arm um meinen Nacken, während sie mit der anderen nach dem Wasserhahn tastete.
Plötzlich blieb mir die Luft weg, so eiskalt strömte mir das Wasser über den Körper. Vor der Duschkabine stand meine Königin und schüttete sich aus vor Lachen.
"Ich dachte, daß dir nach dem Tiefschlag und dem Mähen eine kalte Dusche gut bekommen würde", zwitscherte sie, warf mir ein Handtuch zu und zog mich ins Schlafzimmer.
* * *
"Ooooch", stöhnte sie, "das war himmlisch, wo hast du das nur gelernt?"
"Wer so eine Frau wie dich hat, der braucht das nicht erst zu lernen", sagte ich. "Du beflügelst meine Phantasie."
Sie beugte sich über mich. "Na, dann gib deinem Affen mal Zucker und zeig mir, daß du noch mehr Phantasie hast - an der Schreibmaschine, meine ich. Bis zum Abendbrot will ich mindestens vier Seiten lesen."
Ich werde mich wohl an die Arbeit machen müssen.
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