Jedes Mal, wenn ich nach Hause kam, lag etwas auf meinem Kopfkissen. Mal war es Bild von Emma, mal ein Bild von Peter, ein Mon Cherie von Julia oder ein paar nette Zeilen von der ganzen Familie. Ich freute mich schon darauf, wenn ich auf dem Heimweg war, überlegte, was sie sich denn wohl dieses Mal ausgedacht haben könnten.
Aber das war keine Einbahnstraße. Manchmal hatte ich nur etwas Schokolade im Gepäck, dann wieder eine neue Puppe oder Kleidung für die alte, Peter brachte ich neue Fußballschuhe mit, einfach so zwischendurch und Julia bekam mal eine neue Kette, eine neue Armbanduhr oder ein neues Set verspielter Unterwäsche. Es war ein Geben und Nehmen.
Im Grunde hatte es einen großen Vorteil, dass wir uns nicht ständig auf der Pelle hingen. So konnten wir unsere Weihnachtsgeschenke kaufen ohne, dass wir uns still und heimlich aus dem Haus schleichen mussten. Mit Ausnahme der Geschenke, die für die Kinder bestimmt waren, die besorgten wir natürlich zusammen, wobei meine Julia das Einpacken übernahm.
Meine Kollegen hatten ein Einsehen und hatten mir die Möglichkeit gelassen, von kurz vor Weihnachten bis in den Januar hinein freizumachen. Sonst war ich immer derjenige gewesen, der als Single den Familienvätern den Vortritt ließ. Dieses Jahr bat ich ausnahmsweise mal darum, Urlaub nehmen zu dürfen, weil ich etwas ganz Besonderes für uns vier geplant hatte. Ich fand, meine kleine Familie hatte sich ein paar schöne Tage, außerhalb unserer vier Wände, verdient. Es war für uns alle ein aufregendes Jahr gewesen und so dachte ich, es wäre eine gute Idee, auf der „Mein Schiff 2“ eine Kreuzfahrt durch nordische Fjorde zu buchen. Wir würden uns allen Luxus gönnen, den dieses Schiff zu bieten hatte und uns vom Schauspiel der Natur verzaubern lassen.
Mich faszinierte das Lichtspiel des Nordens schon immer, aber bisher ergab sich einfach keine Gelegenheit. Dass Julia sich das schon mal ansehen durfte, konnte ich mir nicht vorstellen und die Kinder erst recht nicht.
Leider waren die Termine für solche Fahrten meistens in der Zeit vor Weihnachten. Aber ich wollte gern den Jahreswechsel auf dem Schiff erleben. Ich musste lange suchen und wurde letztendlich auch fündig. Damit hatte ich also meine Weihnachtsgeschenke zusammen … fast.
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