Instinktiv war mir klar, es würde keinen besseren Abend geben …!
Leise nehme ich meine dicke Winterjacke aus dem Schrank. Die Kinder würden tief und fest schlafen, zumindest für die nächsten Stunden waren sie außer Gefecht gesetzt, dessen konnte ich mir sicher sein.
Ich möchte schnell zu ihr, der Frau, die längst viel mehr für mich geworden war, als nur meine Freundin oder meine Geliebte. Julia und ich verkörpern den jeweils perfekten Gegenpart, ergänzen uns großartig in allem, stärken uns in schwierigen Entscheidungen, sind da, wenn wir einander brauchen. Julia und ich, das ist wie Adam und Eva, Dick und Doof, Yin und Yang, wie ein Reißverschluss, bei dem die Zähne zusammengefasst für eine geschlossene Einheit sorgen. Ohne einander sind wir nichts, aber miteinander sind wir unschlagbar.
Ich öffne die Tür zum Achterdeck. Kalter, schneidender Wind wischt mir über das Gesicht und lässt meinen Atem zu kleinen Kristallen gefrieren. Um mich herum ein beeindruckendes Schauspiel, dass mich wie angewurzelt in der geöffneten Tür stehen lässt. Neonfarbene Wolken fahren ineinander, vermischen ihre Farben. Helles Gelb vermischt sich mit leuchtendem Blau und wird zu schillerndem Grün. Dort etwas Purpur, dahinter ein waberndes Rosa.
Tausend verschiedene Bilder formen sich am Himmel. Das Nordlicht, von dem eine Sage behauptet, dass dort die Seelen der Toten ihre Ruhe gefunden haben oder die getöteten Streitwagenfahrer der alten Römer ihre letzten Rennen austragen. Wikinger, Eskimos …, jedes nordische Volk überliefert seit Menschengedenken ihre eigenen Geschichten zu diesem Lichterzauber.
Es sind zu viele Bilder, als dass man sich jedes einzelne einprägen könnte. Unermüdlich verändert das Licht seine Farben und Formen, an dem ansonsten sternenklaren Himmel. Stundenlang könnte ich zusehen, ohne dass es mich langweilen würde.
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