Timo - Kapitel 11

Das Polarlicht

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Timo - Kapitel 11

Timo - Kapitel 11

Gero Hard

Am Heck steht sie, meine Julia, ebenso fasziniert von dem Lichtspiel, gedankenversunken lehnt sie an der Reling. Fest zieht sie den Mantel an ihrem Kragen zu. Wie schön sich ihre dunkle Silhouette vom bunten Hintergrund abhebt. Wie, als wäre die Gestalt als schwarzer Umriss von der Natur dorthin gemalt worden, extra für mich, wunderschön und stimmig. Ein Anblick, der sich wie ein Stück Glut in mein Gehirn brennt.

Ich nähere mich ihr, langsam, will sie nicht erschrecken, rausreißen aus diesem andächtigen Moment. Und dennoch zuckt sie zusammen, als ich meine Arme um ihren Körper schlinge. Sie spürt instinktiv, dass ich es bin, der sie wärmend in die Arme geschlossen hat. Sie muss nicht mehr hinsehen, um sich zu vergewissern. Sie kennt meinen Geruch, weiß, wie ich sie berühre. Eng schmiegt sie sich an mich, so dass wir uns gegenseitig wärmen können. „Ist das nicht wunderschön mein Liebling?“, fragt sie mich überwältigt. „Ja, das ist es. So etwas Beeindruckendes habe ich noch nie gesehen“, antworte ich leise. Mit sanften Küssen verwöhne ich ihren Nacken, knabbere an ihren Ohrläppchen.

Minutenlang lassen wir die Bilder auf uns wirken, versinken in den Emotionen, die uns jetzt die Augen feucht werden lassen.

Meine rechte Hand schiebt sich in meine Jackentasche. Zur Faust geballt, will sie sich aufwärmen. Die Hand nutzt den Augenblick und tastet. Ja, das kleine Kästchen, das ich kurz vor Weihnachten heimlich vom Juwelier abholte, habe ich nicht vergessen. Ich bin aufgeregt, nervös. Ist es der richtige Moment, der richtige Ort, der richtige Hintergrund, finde ich die richtigen Worte, die ich bestimmt hundertmal heimlich vorm Spiegel geübt habe?

Sanft drehe ich dieses wunderbare Wesen zu mir herum. Zwinge sie, sich von dem Schauspiel am Himmel abzuwenden und mich anzusehen. Die Hand, sie kommt aus meiner Tasche, festumschlossen das kleine Kästchen.

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