Mit so viel Information kann er nicht umgehen.Mit einem langen Wattestab trägt er ein blutstillendes Medikament auf die verletzte Cervix und verschreibt ihr ein fötusverträgliches Schmerzmedikament gegen ihre Unterleibsschmerzen.Natürlich kann er sich eine oberlehrerhafte Belehrung nicht verkneifen, dass Sex in der Schwangerschaft grundsätzlich kein Problem sei, aber derart heftiger Verkehr zum vorzeitigen Abort führen könnte.Sandra ist plötzlich ganz still. Mit schmerzverzerrtem Gesicht presst sie ihre Hände auf ihren Bauch und zieht die Beine an. Es ist mehr als klar, dass sie gerade Schmerzen ertragen muss, die wohl schubweise auftreten.Die anschließende Ultraschalluntersuchung und der Wehenschreiber zeigen, dass Sandra vorzeitige Wehen bekommen hat. Viel zu früh und besorgniserregend. „Ich werde Sie bei uns behalten müssen. Sie brauchen absolute Bettruhe. Außerdem müssen wir die Wehentätigkeit laufend beobachten.“
Im Nachhinein betrachtet, waren wir wirklich sehr unvernünftig. Aber in dem ekstatischen Moment haben wir beide die Kontrolle verloren. Jetzt liegt mein Schatz mit dicken Tränen in den Augen vor mir. Ich beuge mich zu ihr herunter und küsse sie. „Verzeih mir“, flüstere ich, selbst mit einem dicken Kloß im Hals. „Wir haben beide Schuld“, antwortet sie und streichelt meine Wange. Ihr Blick ist verliebt, traurig und kein bisschen vorwurfsvoll.
Sandra, gebeugt von starken Unterleibsschmerzen, hängt sie an meinem Arm, als wir auf dem Krankenhausflur stehen. Ich entdecke Emma und Peter, die süß schlafend auf einer Bank liegen. Es tut mir leid, dass ich sie schon wieder wecken muss, aber es hilft nun mal nichts. Der Abschied zwischen Sandra und mir fällt traurig aus. Ich verspreche sie später wieder zu besuchen, aber erstmal müssen die Mäuse wieder ins Bett. Mein Schatz ist hier gut aufgehoben. Und vielleicht tut ihr ein bisschen Ruhe auch ganz gut.
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