Timo - Kapitel 7

Julchen

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Timo - Kapitel 7

Timo - Kapitel 7

Gero Hard

Ich muss sie ziemlich blöd angesehen haben. „Na los, hau schon ab.“, stichelt sie lächelnd. Vielleicht eine gute Generalprobe. Und sollte es doch nicht gehen, kann sie immer noch die Schwester anklingeln.

Es ist ganz schön weit von der Kardiologie bis zur Gynäkologie. Genug Zeit mal durchzuatmen. Zig junge Männer kommen mir entgegen. Junge Söhne, vielleicht junge Väter, oder ist vielleicht einer von ihnen sogar Franjo? Langsam fange ich an, diesen Namen zu hassen. Zuviel schlechte Gedanken verbinden sich mit diesem Namen.Aber er gehört leider untrennbar zu Sandra, oder besser zu dem Kind in ihrem Bauch.

Ich weiß genau, ich kann mit Sandra leben und auch mit ihrem Kind. Wir würden das zusammen schon hinbekommen. Aber ob ich auch dauerhaft mit Franjo leben kann, glaube ich eher nicht. Nicht im Moment jedenfalls.

Sandra sitzt im Bett und spielt mit ihrem Handy. Ich bleibe kurz in der Tür stehen um zu sehen, wie sie reagiert.

„Oh hey Schatz, endlich bist du da.“, strahlt sie mich an. „Wo hast du die Kinder? Und warum habe ich noch keinen Kuss von dir bekommen?“

„Wow, das sind aber viele Fragen auf einen Haufen.“

Längst sitze ich auf ihrem Bettrand und habe ihr Gesicht in meinen Händen. Natürlich bekommt sie einen innigen Kuss. Aber ich bin auch neugierig, deshalb löse ich mich schnell wieder von ihr und sehe mir die Kurve auf dem Wehenschreiber an, der neben ihrem Bett steht.

„Erzähl Engel, wie geht es dir?“

„Eigentlich wieder gut. Die Schmerzen sind weg. Aber das mag an dem Schmerzmittel liegen, das ich heute Morgen noch bekommen habe. Und es ist auch nur noch ganz selten ein Tropfen Blut in der Slipeinlage.“

„Und Franjo? Weiß er Bescheid?“

„Ach du meinst, weil ich eben am Handy war? Schatz, ehrlich, ich habe eben mit Sabrina geschrieben. Kannst ja nachsehen, wenn du mir nicht glaubst. Tust du sowieso nicht, weiß ich doch schon. Sie hat mir geschrieben, dass Franjo ziemlich fertig ist.“

Mit einem verächtlichen Blick legt sie mir das Mobil in den Schoß. „Hier, sieh nach. Du gibst sonst sowieso keine Ruhe. 5319 ist der Pin. Na los …“Wenn sie es mir schon so bereitwillig gibt, klar gucke ich dann auch. Sie hat recht, ich würde eh so lange bohren, bis sie nachgeben würde.Ok, mal sehen: Franjo gestern Morgen zuletzt = krasse Abfuhr kassiert = sehr gut.Sabrina, mit ihr hat sie gerade erst geschrieben. Wie’s ihr geht und sowas. Und, wie glücklich sie mit mir ist und wie geil es ist, mit mir zu ficken. Ja, sie hat echt ficken geschrieben. Luder. Interessant fand ich auch, dass sich Sabrina offensichtlich an Franjo rangemacht hatte, weil er ja doch so süß ist.Nach einigem Hin- und Her mit, ‚wie war’s denn und erzähl mal‘, schrieb Sabrina, dass sie Franjo ziemlich betrunken und verwahrlost in seiner Wohnung angetroffen hatte. „Sah schlimm aus“, schrieb sie.Sandra scheint das ziemlich kalt zu lassen, denn ihre Laune hat sie sich davon nicht verhageln lassen. „Zufrieden?“,fragt sie, als ich ihr das Smartphone wiedergegeben habe. „Ja“, antworte ich etwas verlegen.

„Dein Kontrollzwang nervt ziemlich, hätte ich nicht von dir gedacht, ganz ehrlich.“Dass es sie wirklich nervt, erkenne ich an ihren zusammengekniffenen Augen. Mich stört es ja selbst. Und seit gestern gibt sie mir ja auch kein Grund zum Eifersüchtig sein. Im Gegenteil. Alles was ich lese, ist Balsam für mein Ego. Und trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack, den ich partout nicht loswerde.

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