Schlanke Beine mit muskulösen Oberschenkeln, flacher Bauch mit vorstehenden Beckenknochen, ausgeprägtes Schambein, schmale Schultern, mittelgroße Brüste vom Typ „ich bin eine Mutter“, dünne Arme mit ausgeprägten Bizeps. Sie muss die Kinder oft und lange getragen haben. Aber das Schönste an ihr, ist das von hellblonden, langen Haaren umrahmte Engelsgesicht.
Es gelingt mir nicht, den Blick von ihr abzuwenden. Das Buch in meinen Händen mutiert zur absoluten Nebensache. Es könnte die spannendste aller jemals geschriebenen Geschichten enthalten, es würde mich nicht interessieren.
Es ist, als würde mich der Blitz treffen, der berühmte Pfeil Amors mein Herz durchbohren. Ich habe mich in diese Frau verliebt. Schon längst, aber wirklich klar wird es mir erst in diesem Augenblick.
Jetzt könnte man auf die Idee kommen: Erst hat er ewige Zeiten gar keine Frau, dann stürzt er sich überhastet in eine Liebesaffäre mit einer 25-jährigen und nur, weil die nun weg ist, nimmt er sich die nächst Beste. Aber so ist das nicht. Vom ersten Moment an ging sie mir nicht aus dem Kopf. Wie oft war sie in Konkurrenz zu Sandra getreten und sogar mit Ulrike habe ich sie schon verglichen.
Ich zwinge mich, doch noch ein paar Zeilen zu lesen. Ich lese sie, verstehe aber nicht, was dort steht. Würde mich jetzt jemand nach der Handlung in dem Buch fragen, ich könnte es nicht sagen.
„Lust auf Grillen?“, frage ich laut in Richtung Pool. „Jaaaaa“ höre ich das langgezogene Jubeln der Kinder, unbeteiligtes Schulterzucken dagegen von Julia.
Ich gehe rein und ziehe mir was über. Es ist ein guter Moment, den Kopf auf andere Gedanken zu bringen, leider mit mittelmäßigem Erfolg.
Peter zieht schon den Grill aus der Ecke, als ich wieder raus komme. Emma hockt auf dem Rasen und spielt mit ihrer Puppe. Und Julia? Die geht mit einem kleinen ‚Meidebogen‘ an mir vorbei und murmelt etwas vor sich hin, was sich wie „… ich mach Salat“ anhört.
„Julia, was ist los? Wieso bist du so...“
„Nicht jetzt Timo, nicht jetzt.“, fährt sie mir über den Mund.
Peter geht in seiner Rolle als Grillmeister voll auf. Er ist stolz darauf seiner Großmutter zu beweisen, was er schon alles gelernt hat. Mit den Argusaugen einer besorgten Mutter, wird er von ihr dabei nicht aus den Augen gelassen.
Angespannt, jederzeit bereit einzugreifen, lässt sie ihn machen, auch wenn ihr Blick deutlich zeigt, dass sie damit nicht glücklich ist. Wie ein Tiger auf dem Sprung liegt sie da. Anmutig und schön, aber zu keiner Zeit unaufmerksam.
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