Timon und Eva

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Timon und Eva

Timon und Eva

Peter Urmel

Darf ich Sie vielleicht einladen?“
Das ist meine Chance!
„Gerne“, sage ich.
Seine Wohnung ist die Gleiche wie meine. Nur ganz anders. Ein antiker Tisch ist gedeckt. Ein schicker LCD Fernseher hängt an der Wand. Ein riesiges weiß gedecktes Bett, ein Sessel. Und Bücher. Viele Bücher. Eine Wand ist bis unter die Decke voll mit Büchern. Und auf dem Boden erheben sich unzählige kleine Büchertürme.
„Wo ist der Besuch?“, frage ich
„Schon gegangen.“, sagt er. Das Strahlen in seinem Gesicht erlischt.
Wir setzen uns an den Tisch und ich bekomme einen Teller voll mit Tortellini. Kochen kann er auch noch. Das Beste was ich seit Tagen gegessen habe. Seine Augen bohren sich in meinen Kopf. Er lächelt mich an. Das Strahlen ist zurück. Ein unglaubliches Lächeln. Mir bricht der Schweiß aus. Ich versuche das Gespräch in Gang zu bringen: „Lecker war das.“
Scheiße wie peinlich. Fällt mir nichts Besseres ein? Ich bin offensichtlich aus der Übung. Sonst hab ich ja nur zahlende Gäste. Ich kann ihn ja schlecht fragen wie er es gerne hätte.
„Geht so. Sie hat es nicht angerührt.“ Sein Lächeln ist wieder weg. Die Sonne erloschen. Ich sehe nur noch ein trauriges Gesicht. Es zerreist mein Herz.
„Die sind doch perfekt“, sage ich.
„Ich bin ein toller Kumpel hat sie gesagt.“
Bestimmt hat sie Recht. Wer wollte ihn nicht zum Freund haben. Zu mir hat das lange keiner mehr gesagt; ich würde mich über das Kompliment freuen.
„Ein toller Kumpel, ehrlich, aber mehr auch nicht.“ Er äfft ihren mitleidigen Tonfall nach.
Jetzt verstehe ich. Timon hat gerade von seiner Traumfrau einen Korb bekommen.
„Wenn Du darüber reden willst...?“, frage ich vorsichtig und noch bevor ich den Satz fertig habe, fängt er an.
Bis tief in die Nacht höre ich mir Timons Leidensgeschichte an. Von seiner ersten großen Liebe in der Schule, die aber lieber einen Amateurboxer zum Freund hatte, bis zu seinem letzten Versuch aus der Uni.

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