Das warme Wasser prasselte auf Jessies Kopf und Schultern. Da sie nicht so genau wusste, wann sie sich das letzte Mal die Haare gewaschen hatte (was sie aber nie laut zugeben würde!) hatte sie beschlossen, sich die komplette Packung zu geben. Sie schäumte und spülte und kurte und schrubbte und rasierte und summte dabei die Titelmelodie von Stranger Things. Als sie schließlich aus der Wanne stieg, fühlte sie sich so frisch und sauber wie schon lange nicht mehr. Sie wickelte sich in ihr großes Disney-Handtuch und fuhr mit einem groben Kamm durch ihre nassen Locken. Als sie ihn zurücklegte, fiel ihr Blick auf das Handy, das sie auf die Ablage unter dem Spiegel gelegt hatte. Kurzes Zögern, dann ein gedankliches Schulterzucken und sie öffnete die App: „Frisch geduscht. Happy? :P“ Während sie sich noch eincremte kam die Antwort und sie wischte ihre Finger am Handtuch ab. „Sehr schön. Und was hast du heute sonst noch Aufregendes vor?“ Die nächsten zwei Stunden vergingen in einem mehr oder weniger konstanten Hin- und Her von Nachrichten. Sie sprachen über Corona und die Isolation – natürlich – aber bald auch über persönlichere Dinge.
„Sag mal, du bist aber doch hoffentlich nicht eine von denen, die nun den ganzen Tag in der Jogginghose herumhängen, oder?“ Jessie sah an sich herab. Sie war zwar während des Gesprächs durch das Zimmer gewandert, hatte ihr Bett gemacht und sogar die einsame Grünpflanze in der Ecke gegossen, aber so richtig angezogen hatte sie sich nicht. Also eigentlich gar nicht. Sie trug immer noch das Disneyhandtuch. Vielleicht hatte sie zu lange zum Antworten gebraucht, jedenfalls kam nun eine weitere Nachricht: „Du hast dich nach dem Duschen doch angezogen, oder? :D“ Sie grinste, zögerte. Das war nun die Möglichkeit, um die Unterhaltung in ein wenig wärmere Gefilde zu lenken. „Und was, wenn nicht…?“ Sie merkte, wie ihr Herz ein klein wenig schneller pochte, als sie wartete, ob er darauf einging.
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