Ich bin mein eigener Gefangener.
Nun sitze ich schon eine Stunde in meinem Polstermöbel und starre das Telefon an, greife auch immer wieder hin, zucke wieder zurück. Einstein hat sich neben mir eingerollt, knurrt drohend und schaut mich dabei an. Sein Schwanz ist unruhig, er spürt, dass etwas nicht stimmt. Doch er hat ja nicht durch das Fernrohr geblickt, er kann nicht wissen, welche Vorwürfe ich mir mache.
Ich bin sozusagen ein Mittäter! Hätte ich den ersten Mord gemeldet, würde der Tote von heute noch leben!
Inmitten meinen Überlegungen geht das Licht gegenüber wieder an. Ich springe auf.
Yoko betritt, nackt wie immer, wieder den Wohnraum, wiegt sich hin und her, beugt sich zurück, hebt ihre Arme, wirkt völlig gelassen und gelöst. Sie hat vor circa zwei Stunden einen Mann getötet und wiegt sich nun zu irgendeiner Musik hin und her? Wie kann das möglich sein?
Langsam lässt sie sich vor der schwarzen Vase zu Boden gleiten, zieht die Beine an, faltet ihre Hände und führt sie zum Gesicht. Vor ihr steht eine ebenfalls schwarze Schale, aus der leichter Rauch aufsteigt, den sie verzückt einatmet. Leicht den Oberkörper wiegend bleibt sie so in ihrer Stellung.
Zu meiner Verwunderung bemerke ich, dass sie dieses Mal einen hauchdünnen, durchsichtigen, hautfarbenen Schleier um sich geschlungen trägt. Das ist das erste Mal, dass ich sie nicht völlig nackt sehe. Obwohl dieser Schleier eigentlich nichts verhüllt, sondern nur geheimnisvoll umfließt, ihre Nacktheit nur noch mehr hervor streicht, steigert das unverständlicher Weise, meine Erregung.
Ich betrachte sie kritisch. Sie ist eine schlanke sylphidenartige Frau, durchtrainiert zwar, aber doch nicht sehr kräftig aussehend. Wie schafft sie es immer die Leichen alleine weg zu transportieren?
Ich komme daher zu dem Schluss, dass es unmöglich ist und ich irgendwelchen Tagträumen oder Albträumen erliege. Das wird es sein! Irgendwie beruhigt widme ich mich wieder meiner Arbeit.
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