Ich hatte erwartet, dass sie total ermattet und völlig willenlos in seinen Armen landen wird, doch plötzlich schwingt sie sich auf, packt seinen muskulösen Körper an den Schultern und wirft ihn nach rückwärts. Er landet auf dem Rücken und sie genau auf ihm. Sie presst seine Schulterblätter mit ausgestreckten Armen nieder und schwingt sich auf ihn. Er hebt sein Becken, will sie abschütteln, doch sie sitzt zu fest im Sattel.
Ich drehe wie verrückt an der Linse des Fernrohres, ich muss die Linse schärfer stellen, ich will ihr Gesicht sehen.
Es ist ein wilder Ausdruck in ihrem Gesicht, ein entschlossener Ausdruck, der mir Angst macht.
Es ist ihr gelungen ihn in ihr zu fixieren, sie beginnt ihn zu reiten wie ein zu zähmendes Wildpferd. Er ist der Hengst und sie die Amazone. Sie setzt sich immer wieder auf, lässt sich fallen, richtet sich wieder auf, bewegt sich nach rechts und links, nach vor und zurück, bis man sehen kann, wie sich sein Körper aufbäumt, sein Mund sich zu einem Schrei öffnet und seine Beine unkontrolliert zucken.
In diesem Moment sticht sie zu. Sie hat plötzlich ein langes Messer in der rechten Hand und sticht immer wieder zu, bis er sich nicht mehr rührt.
Ich bin wie betäubt. Das kann doch nicht real sein, das muss ein Traum, ein Albtraum sein. Es kam so unmittelbar, unerwartet.
Ich kann mich nicht von der Linse des Fernrohres trennen, ich starre wie gebannt hinüber. Sie löst sich von ihm, nimmt die Polster vom Bettrand und beginnt den Mann in das Bettlaken und die dünne Betteinlage einzurollen. Sie holt eine Rolle Klebeband aus der Küche und umschlingt den leblosen Körper solange, bis er nur mehr eine Rolle ist und stößt ihm vom Bett hinunter auf den Bettvorleger. Es wirkt alles so routinemäßig, als hätte sie das schon öfters gemacht. Dann nimmt sie sich eine Zigarette aus der Lade des Beistelltisches, zündet sie an, tritt auf die Terrasse hinaus und blickt in die Umgebung.
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