Traum oder Wirklichkeit

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Traum oder Wirklichkeit

Traum oder Wirklichkeit

Daryan Altero

Ich erwachte mitten in der Nacht. Mein Kopf drehte sich, meine Gedanken drehten sich. Ich hatte definitiv einen Aperol zu viel gehabt… Wann war es mir das letzte Mal so ergangen? Als Teenager? Wie blöd kann man eigentlich sein? Ich rutschte näher zum Rand des Bettes, vorsichtig, um meinen Freund nicht zu wecken, denn sein regelmäßiger Atem schien lauter zu werden, desto weiter ich mich von ihm entfernte. Ich tastete mit meinem Fuß – stieß gegen irgendetwas. Was war das? Ich streckte meine Hand aus, suchte mir einen Weg zwischen Matratze und Federbett. Vorsichtiger als eben noch mit meinem Bein, traf ich wieder auf dieses seltsame Hindernis. Wenn ich doch nur etwas sehen könnte… Auf Knien hatte ich Jana um das Gästezimmer mit Jalousien gebeten – jetzt verfluchte ich mich dafür. Es war stockfinster.
Ich fuhr an der Barriere herab, bis mein vernebelter Verstand endlich realisierte, dass das, was ich berührte, ein Körper war. Ich musste betrunken sein. Jan lag auf meiner rechten, nicht auf meiner linken Seite… Deswegen war sein Atem jetzt auch viel lauter…
Meine Hand war auf seinem Bauch zur Ruhe gekommen, dort wo sein hochgeschobenes T-Shirt endete und mir seine warme Haut signalisiert hatte: Du befummelst gerade seinen Körper.
Hatte ich ihn geweckt? Angestrengt horchte ich in die Dunkelheit. Nichts. Nichts außer dem regelmäßigen Atem Jans…
Ich fuhr ein Stück tiefer, denn etwas irritierte mich… Mein Handballen lag auf Jans Boxershorts, einer weiten Ausgabe. Und er trug keine weiten, außer ganz selten zuhause zum Schlafen. Die nahm er aber nicht extra mit zu Freunden. Oder doch?
Härte. Ich erschrak fast, musste dann aber innerlich grinsen. Jan hatte eine Erektion… Wie von selbst fuhren meine Finger über seine Eichel, die sich gegen den Stoff drückte. Was er wohl gerade träumte?
Gern hätte ich seinen Schwanz jetzt herausgeholt, aus seinem Gefängnis aus Stoff. Hätte ihn gerieben, ihn zum Kommen gebracht… Aber ich konnte ja schlecht Janas Gästebett einsauen. Wie peinlich wäre das? Und außerdem mussten wir morgen früh raus. Jan wollte sicherlich die wenigen verbliebenen Stunden der Nacht mit Schlaf zubringen… Etwas, das ich ebenfalls dringend tun sollte. Es war nur so verlockend… Noch einmal strich ich über den sich spannenden Stoff, dann nahm ich meine Hand weg und unterdrückte das aufkeimende Gefühl von Erregung in mir.
Ich drehte mich weg von Jan und rutschte zurück auf die linke Seite, um dort meinen ursprünglichen Plan weiter zu verfolgen – als ich furchtbar erschrak. Denn wieder war ich gegen ein Hindernis gestoßen und dieses Mal hatte mein Verstand sofort erkannt, dass dort ein Körper lag.
Dann fiel es mir wieder ein. Jana hatte gefragt, ob eventuell noch jemand bei uns im Zimmer schlafen könnte - falls es eng werden würde… Wir hatten „ja“ gesagt, aber dann hatte Jana nicht mehr gefragt und… Hatte ich eben das Glied eines Fremden berührt?! Schock und Aufregung fuhren wie eine Welle durch meinen Körper. Ich hoffte inständig, dass es Jan gewesen war, doch allein schon die weiten Boxershorts…
Es ist ja nichts passiert, versuchte ich mich zu beruhigen. Im Schlimmsten Fall hast du einem Fremden den Traum versüßt, im besten Fall deinem Freund…
Plötzlich spürte ich Bewegung hinter mir, die Decke wie sie sich hob und ein leichter Luftzug an meinem Rücken entlangfuhr – gefolgt von einer Hand, die sich auf meine Taille legte. Ich erstarrte.
Die Hand wanderte, strich, über meine oben liegende Seite, hoch bis zu meiner Schulter und wieder herab, bis über meine Taille hinaus auf meine Hüfte…
Das ist die Art, wie mich Jan immer berührt, beruhigte ich mich und spürte den Fingern nach, die nun den Rand meines Tangas entlangfuhren und diesem in Richtung meines Pos folgten. Ich musste ihn geweckt haben. Wollte Jan jetzt wirklich Sex? Ich dachte wieder an Janas Bettlaken. Ich dachte daran, dass hier noch eine weitere Person mit im Bett lag… Und ich dachte daran, dass ich mich irren könnte. Dass es genau diese Person sein könnte, deren Hand sich gerade auf meinen nackten Po legte.
Ich hätte einfach fragen gekonnt. Ich hätte einfach „Jan, bist du es“, flüstern können. Ich hätte auch einfach die Hand wegschieben, es beenden können. Doch ich tat nichts dergleichen.
Stattdessen war ich wie paralysiert, gefangen in meinem Körper, gefangen in meinen alkoholverhangenen Gedanken. Gefangen von den Gefühlen, die sich in mir regten, als die Hand ein wechselhaftes Spiel von Zärtlichkeit und Kraft begann. Als sie unter den dünnen Stoff des Tangas fuhr. kitzelnd, provozierend. Ein Teil von mir redete mir weiterhin ein, dass es Jan war, der mich berührte. Doch ein anderer Teil wusste, dass er es nicht sein konnte. Zu anders, zu aufregend waren die Berührungen.
Finger legten sich lockenden Versprechungen gleich auf meine Schamlippen, die meine auslaufende Erregung nicht mehr verbergen konnten.
Was ging in dem Fremden vor? Hatte er sein Glück nicht fassen können, als er von einer Hand an seinem Schwanz geweckt worden war?
Ich spürte ihn näher rücken, seine Finger gleichzeitig meine nassen Lippen teilen.
Hatte er mich und Jan zusammen gesehen? wusste er, dass - oder spielte er ein Spiel? Hatte er meine erste Berührung, als das Verstanden, was es war. Einen Irrtum? Wollte er diesen nun ausnutzen?
Ich unterdrückte ein Stöhnen, als ein Finger auf meinen Kitzler glitt. Als der Finger zu kreisen begann… Es fühlte sich so verboten gut an, dass ich meine Gedanken, meine Zweifel beiseiteschob. Was ich nicht wusste, würde ich auch nicht bereuen können… Ich zog mein oben liegendes Bein an, lud den Fremden ein, während ich für mein Gewissen an Jan dachte. Er wagte mehr. Ich spürte seinen Daumen in mich dringen.
Meine Zähne gruben sich in das Kissen. Ich spürte den Atem von wem auch immer in meinem Gesicht, während ich gefingert wurde. Eine Situation so abwegig, so unvorstellbar, dass ich eigentlich hätte abgestoßen sein müssen. Doch stattdessen geschah etwas gänzlich anderes: Die Berührungen trugen mich fort. Ich spürte einen Orgasmus in mir wachsen, mich ausfüllen. Mich überwältigen. Ich schrie lautlos ins Kissen.
Der Daumen, der eben noch die Schauer in einem unvorhersehbaren Wechsel aus Drücken und Stoßen provoziert hatte, verschwand. Und in meiner lustvollen Pein gefangen, spürte ich etwas Anderes, etwas, das nicht sein durfte. Etwas, das aufzuhalten, ich längst nicht mehr in der Lage war: Der Andere drang in mich. Ich konnte mir nicht länger vorspielen, dass es Jan war. Jetzt spürte ich deutlich, dass es nicht der Schwanz meines Freundes war.
Unaufhaltsam schob sich sein Schwanz in meine noch kribbelnde Spalte. Es ging so schnell, dass ich seine Stöße schon spürte, als ich gerade erst realisierte, was geschah. Dass ich mich neben meinem schlafenden Freund von einem anderen ficken ließ…
Eine Hand schob sich unter mein Shirt, griff gierig nach meinen Brüsten, zog mich an einen fremden Körper – immer wieder auf einen in mich fahrenden Schwanz…
Das Bett knarrte, die Matratze schaukelte. Nicht laut, nicht stark, aber doch so, dass ich bei jeder zusätzlichen Bewegung fürchtete, Jan könnte aufwachen. Ich hatte solche Angst davor, doch gleichzeitig genoss ich den Moment, der mehr einem Traum als der Wirklichkeit glich. Einem Traum, der einen mitriss, wie die Stromschnellen eines mächtigen Flusses. Ich konnte nicht steuern, nicht gestalten - nur erleben. Und als ich weiterhin Jans gleichmäßigen Atem auf meinem Gesicht spürte, entspannte ich mich. Ich begann zu genießen. Die starke Hand, die meine oben liegende Brust walkte. Die mir deutlich machte, wie sehr mein Körper gefiel… Die langsamen, aber dafür umso intensiveren Stöße…
Ich wusste längst, wie es enden würde. Ich wusste auch, dass ich wenigstens das verhindern sollte. Ich tat es nicht. Zu sehr war ich im Moment gefangen. Und so blieb ich tatenlos, während der Andere begann in mein Ohr zu keuchen. Als seine Stöße ruckartiger durch meinen Körper fuhren. Als er schließlich in mir verharrte. Als er sich wie verzweifelt an meiner Brust festkrallte… Als er sein Sperma in mir verteilte.
Dann verschwand er, zog sich an seine Bettkante zurück und es war beinahe so, als wenn nichts geschehen wäre. Wenn da nicht seine Boxershorts gewesen wäre, die ich neben mir fand. Ich klemmte sie mir zwischen die Beine – und schlief ein.
Hämmernde Kopfschmerzen begrüßten mich, als grelles Licht wie Dolche durch meine Lider drang.
„Guten Morgen Schatz“, hörte ich Jans Stimme zusammen mit dem Grollen des Rollladens, der emporgezogen wurde.
Bilder zogen wie die Bruchstücke eines Films an meinen zusammengekniffenen Augen vorbei. War das wirklich passiert?
„Na los, aufstehen. Unten gibt es einen Orangensaft und eine Kopfschmerztablette. Die Anderen sind schon beim Frühstück.“
Die Anderen… Mühsam öffnete ich meine Augen und unendliche Erleichterung durchströmte mich, als das Bett neben mir leer war. Ich wollte Jans Aufforderung schon nachkommen, da fühlte ich etwas zwischen meinen Schenkeln: Klebrigen Stoff. Die Erleichterung war so schnell verschwunden, wie sie gekommen war. Irgendjemand da unten am Tisch war der Besitzer der Boxershorts. Und dieser jemand war auch dafür verantwortlich, dass sie spermaverschmiert, dass ich spermaverschmiert war.
Ich sank zurück in die Kissen. „Geh schon vor, ich brauche noch einen Moment.“

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