Träume ich?

Josie

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Träume ich?

Träume ich?

Gero Hard

Ja, ich analysierte, was er mir eben laut und deutlich gesagt hatte.
Nichts war geblieben von 'Ich mag dich!' oder 'Ich mag dich immer noch!'. Und genau das war es doch gewesen, was ich gerade erst verinnerlicht, verarbeitet hatte. Abgesehen davon beschrieb es ziemlich gut, was ich für Chris empfand.
Mit jedem Tag mehr lernte ich diesen Mann neu kennen, entdeckte Seiten an ihm, die er entweder früher nicht hatte, oder sie nie zeigte. Gut möglich, dass ihn der Erfolg verändert hatte, ihn auch charakterlich auf eine andere Stufe stellte. Aber wenn das so war, dann hatte er sich zu seinem Vorteil verändert.
Nie hatte ich in den letzten Wochen ein lautes Wort von ihm gehört, auch wenn logischerweise in der Firma nicht alles rund lief. Seinen Mitarbeitern gegenüber, immer freundlich, höflich, respektvoll auftretend. Mich inklusive.
Und nun nahm er mich vollends raus aus der Menge seiner Angestellten und stellte mich auf eine Empore, legte mir einen Lorbeerkranz um meine goldenen Locken und … trieb mir die Tränen in die Augen.
„Chris, wo kann ich mich umziehen?“, war bestimmt nicht die Reaktion, die er erwartet hatte. Aber ihm auf sein Liebesgeständnis zu antworten, ging gerade nicht. Ich war schon froh, die sechs Worte rausbekommen zu haben.
„Josie bitte … entschuldige, ich hab' mich vergessen, das hätte nicht passieren dürfen. Es tut mir leid!“
„Muss es nicht Chris! Es ist nicht gut, aus seinem Herzen eine Mördergrube zu machen. Ich danke dir, dass du es gesagt hast, ... also wo?“
„In der größeren der beiden Kajüten. Da bist du ungestört.“
Er hatte sehr schnell gemerkt, dass es für den Moment wohl das Beste war, nicht weiter darauf herumzureiten. Nahm aber doch meine Hand, als wollte er mich zurückhalten, ließ sie dann aber sanft durch seine Finger gleiten.
Ich war verwirrt! Hätte ich mit ihm in einem Restaurant, einem Café oder an einem anderen öffentlichen Platz gesessen, wäre ich wohl weggelaufen.

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