Und irgendwann, irgendwann konnte ich es.
Es fühlte sich plötzlich anders an. Ich zog den Teig nicht mehr – ich ließ ihn über meine Handrücken gleiten. Fast wie eine Berührung. Er gab nach, wurde dünner, geschmeidiger. Und ich hörte auf zu denken. Verließ mich nur noch auf das Gefühl. Auf dieses leise Wissen in den Händen.
Meine Strudelgeschichte habe ich auch ihm, der zu meiner Konstante geworden ist, irgendwann erzählt. Spät am Abend, eigentlich schon in der Nacht – diese Stunden, in denen man ein wenig melancholischer wird und Dinge erzählt, die von außen betrachtet belanglos wirken, einem selbst aber alles bedeuten.
Ich habe einfach angefangen. Von meiner Oma. Vom Teig. Vom Ziehen. Von diesem Gefühl, wenn er über den Handrücken gleitet.
Und er hat zugehört. Wirklich zugehört. Auf eine Art, die man um diese Uhrzeit nicht mehr erwartet.
„So dünn, dass man die Zeitung durchlesen kann?“, hat er irgendwann gefragt.
„So dünn“, habe ich gesagt. „Dass du wirklich durchsiehst.“
Er hat den Kopf leicht schief gelegt, als würde er es sich vorstellen.
„Und das reißt nicht?“
Ich habe mit den Schultern gezuckt. „Wenn du weißt, wie du’s machen musst, reißt da nichts.“
Ich habe weitergeredet. Vielleicht ein wenig genauer, als nötig gewesen wäre. Vom Ruhenlassen. Davon, dass er nicht zu trocken sein darf. Dass man ihn von der Mitte aus zieht. Langsam. Gleichmäßig.
Er hat leise gelacht.
„Klingt spannend. Ich hatte keine Oma, die das konnte. Meine Strudel-Erfahrung beschränkt sich aufs Kaffeehaus.“
Ich habe ihn kurz angesehen – dieser Blick nach ein paar Gläsern Wein, wenn man selbst völlig in einem Thema aufgeht.
„Da hast du was verpasst. Es ist ein besonderer Prozess. Erst wird er immer dünner“, habe ich gesagt. „Und irgendwann passt es einfach.“
Ein paar Sekunden war es still zwischen uns.
Über das Ausziehen
4 10-16 Minuten 1 Kommentar
Über das Ausziehen
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Ach Leni ....
schreibt Stayhungry