Über das Ausziehen

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Über das Ausziehen

Über das Ausziehen

Leni Trattner

Vielleicht wusste er nicht ganz, was er damit anfangen sollte. Aber neugierig war er.
„Das würde ich gern einmal sehen.“
„Kannst du“, habe ich gesagt. „Ist keine Zauberei.“
Wir hätten es dabei belassen können. Als nächtliche Idee, halb ernst gemeint.
Haben wir aber nicht.
Ein paar Tage später stand er tatsächlich in meiner Küche.
Ich hatte alles vorbereitet. Mehl auf der Arbeitsfläche, die Äpfel geschnitten, die Butter geschmolzen. Nichts Aufwendiges. Aber ordentlich. Das braucht es.
Er lehnte im Türrahmen und sah mir zu, wie ich den Teig, den ich hatte rasten lassen, noch einmal durchknetete. Ruhig, gleichmäßig, mit Druck aus den Handballen. Bestimmt, aber nicht grob.
„Und jetzt?“, fragte er.
„Jetzt wird er noch einmal geknetet. Erst dann wird er geschmeidig genug.“
Ich sagte das ganz ruhig. Als wäre nichts.
Aber ich hörte es an seiner Stimme. Und ich wusste auch ohne hinzusehen, wie er mich ansah.
Er hat diese Art. Ich dachte lange, sie würde sich verlieren. Hat sie aber nicht. Manchmal sieht er mich in völlig alltäglichen Momenten an, als wäre ich etwas Besonderes. Als würde er mich gerade erst entdecken.
„Jetzt kommt das Ausziehen“, sagte ich.
Und bereute es im selben Moment. Ein bisschen.
Aber eigentlich auch nicht. Denn ich wusste, was nun folgen würde.
„Mhm“, murmelte er – und stand plötzlich dicht hinter mir.
Ich hob den Teig an, legte ihn über die Hände und begann, ihn zu ziehen. Vorsichtig. Von der Mitte aus.
Seine Hände lagen an meinen Hüften.
Ich hielt kurz inne.
„Das ist kein guter Zeitpunkt. Wenn ich jetzt aufhöre, wird er trocken.“
„Aber du hast ‚ausziehen‘ gesagt. Darauf hätte ich jetzt auch Lust“, nuschelte er mir ins Ohr.
Ich musste lachen. „Du bist wie ein Teenager.“
„Ist das so schlimm?“
„Nein. Aber gerade unpraktisch. Ich kann jetzt wirklich nicht aufhören.“
„Dann hör nicht auf.“

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Ach Leni ....

schreibt Stayhungry

Gedichte auf den Leib geschrieben